Winter, Reichweite und alte Zweifel
Langstrecken im Winter gelten noch immer als Schwachstelle der Elektromobilität. Sinkende Reichweite, unsichere Ladeinfrastruktur, vor allem im Ausland – viele Zweifel halten sich hartnäckig. Um diesen praktisch zu begegnen, reisten wir zum Jahreswechsel von Salzburg in die Provence: rund 1.100 Kilometer pro Strecke, mitten im Winter.
Unser Begleiter: der VW ID.7 Tourer Pro S, ein vollelektrischer Reisekombi, dessen Qualitäten wir bereits bei unserer Adria-Umrundung 2024 erleben konnten.
Start bei Minusgraden: Salzburg, Brenner, Norditalien
Gestartet wurde bei minus zwei Grad in Salzburg – das Auto vollgeladen (mit Strom und Gepäck, versteht sich) und vorgewärmt. Die Route führte über den Brenner, durch Norditalien, entlang der ligurischen Küste bis ins Hinterland der Côte d’Azur.
Schon am ersten Tag zeigte sich, wie stark äußere Bedingungen eine Rolle spielen: beißende Kälte in den Alpen, milde Temperaturen in der Po-Ebene. Dank der großen 86-kWh-Batterie und eines hocheffizienten Thermomanagements ließ sich der ID.7 davon kaum beeindrucken – Komfort und Effizienz blieben auf hohem Niveau.
Wenn die Technik überzeugt, die Infrastruktur aber schwächelt
Weniger verlässlich präsentierte sich stellenweise die Ladeinfrastruktur: besetzte Stationen, Ladepunkte mit Netzproblemen, Funklöcher im Gebirge, die die Registrierung bei alternativen Anbietern verhinderten.
Fazit dieses ersten Tages: Die Technik im Auto funktioniert einwandfrei, die Infrastruktur zeigt jedoch ihre Brüchigkeit.
Unsere Route war gut geplant, es entstand zu keiner Minute echte „Stromnot“. Dennoch wurde klar: Erst in Südtirol, an einer vorbildlich ausgestatteten Station mit Grünstrom, viel Platz und sogar Staubsaugern, kehrte spürbare Ruhe ein. Die Lektion ist eindeutig: Reichweite ist heute verlässlich – Vertrauen in Ladesäulen entsteht nur schrittweise. Industrie und Politik sind hier gefordert.
Richtung Süden: Ligurien und das winterliche Mittelmeer
Am zweiten Reisetag – wir übernachteten in Piacenza – änderte sich das Bild. Plötzlich lag das Ligurische Meer tief unter uns: ein intensives, winterliches Blau, eingerahmt von pastellfarbenen Häusern an steilen Felsen. Die Temperaturen stiegen.
Die Küstenautobahn zwischen Genua und Ventimiglia zählt für uns zu den schönsten Strecken Europas – gerade im Winter, wenn das Mittelmeer klar und ruhig wirkt.
Frankreich: Elektromobilität als Selbstverständlichkeit
Mit dem Grenzübertritt nach Frankreich wurde das Reisen spürbar entspannter. Schnelllader sind gut verteilt, zuverlässig und selbstverständlich in den Alltag integriert. Auf den Hauptstrecken ist Elektromobilität gelebte Normalität: gut gewartete, oft überdachte Ladepunkte und kurze Stopps, die dank der hohen Ladeleistung des ID.7 kaum länger als eine Kaffeepause dauern.
Provence Verte: Nachhaltigkeit im Alltag
Hinter Fréjus verließen wir die Küste und erreichten die Provence Verte rund um Correns – Frankreichs erstes Bio-Dorf. Sanfte Hügel, Olivenhaine, helle Steindörfer: eine ruhige, grüne Provence fernab des sommerlichen Trubels.
Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. Elektromobilität fügt sich selbstverständlich in ein umfassendes Verständnis von Umwelt, Landwirtschaft und Gemeinschaft ein. Dass es in Correns bei nur 900 Einwohnern gleich zwei gut frequentierte 22-kW-Ladepunkte gibt, überrascht hier niemanden.
Cassis, Marseille und die Calanque
Die folgenden Tage führten uns nach Cassis und Marseille, entlang der Calanques und über Panoramastraßen mit Blick auf das winterliche Mittelmeer. Marseille zeigte sich einmal mehr als Stadt der Kontraste: historischer Hafen, moderne Architektur, mediterranes Leben.
In der Bar de la Marine, bekannt aus dem Film Tatsächlich Liebe, wurde spürbar, wie eng hier Ort, Geschichte und Gegenwart miteinander verwoben sind.
Aix-en-Provence: ruhiger Jahreswechsel, offene Baustellen
Der Jahreswechsel in Aix-en-Provence bildet einen stillen Höhepunkt. Märkte, Licht, Gerüche, ein ruhiges Flanieren durch eine Stadt, die den Übergang zwischen den Jahren nicht inszeniert, sondern lebt. Auch hier fällt auf: Viele E-Autos, zu wenige Ladepunkte in der riesigen Tiefgarage – ein Thema, das mit der stark steigenden Verbreitung der E-Autos dringend mitwachsen muss.
Kunst als Gegenpol: Saint-Paul-de-Vence & Fondation Maeght
Der künstlerische Höhepunkt bildete den Abschluss unserer Reise: Saint-Paul-de-Vence, ein mittelalterliches Dorf wie ein begehbares Gemälde, und die nahegelegene Fondation Maeght.
Dieses Museum ist kein Gebäude, das Kunst einschließt, sondern ein Gesamtkunstwerk: Skulpturen von Giacometti und Miró, Mobiles von Calder, Licht, Pinien und Stein verbinden sich zu einer stillen, kraftvollen Symbiose. Ein Ort der Entschleunigung – und ein passender Kontrapunkt zu einer Reise, die sich mit Bewegung und Zukunft beschäftigte.
Rückfahrt an einem Tag – und ein klares Fazit
Auch wenn wir es uns immer wieder vornehmen, bei der Heimfahrt einen Übernachtungsstopp einzulegen – gemacht haben wir es noch nie. Die Rückfahrt nach Salzburg erfolgte also an einem Tag: rund 13 Stunden inklusive Pausen, drei kurze Ladevorgänge.
Das Fazit ist klar: Elektromobilität ist langstrecken- und wintertauglich. Entscheidend sind Planung, Fahrzeugtechnik – und eine Infrastruktur, die mit der Realität Schritt hält. Volkswagen hat mit dem ID.7 Tourer seine Hausaufgaben beispielhaft gemacht. Entlang der spektakulären Küstenstraßen Liguriens bis tief ins Hinterland der Provence spielt der Tourer alle seine Qualitäten aus. Er liegt satt auf der Straße, während die Rekuperation bei den Bergabpassagen wertvolle Energie zurückgewinnt. Dieses Auto passt perfekt in eine Welt, die auf Nachhaltigkeit setzt, ohne auf Komfort zu verzichten. Die beeindruckende Reichweite von über 600 Kilometern (WLTP) schrumpft zwar im Wintereinsatz etwas zusammen, bleibt aber dank des effizienten Antriebs so stabil, dass auch lange Etappen ohne Zwischenstopp möglich sind. Die Infrastruktur ist nicht überall perfekt, aber auf den Hauptverbindungsrouten absolut zuverlässig, in Frankreich sogar komfortabel und deutlich entspannter, als viele erwarten.
Hier noch ein paar Fakten:
Reise: Salzburg – Provence – Salzburg
Distanz: ca. 2.300 km gesamt
Fahrzeug: VW ID.7 Tourer Pro S
Reisezeit: Winter (Dezember/Jänner)
Durchnittsverbrauch: 19.9 kWh
Ladeerfahrung:
Österreich & Italien: leistungsfähige Ladepunkte vorhanden, aber teils unzuverlässig
Frankreich: sehr gute Abdeckung, hohe Zuverlässigkeit, entspannte Nutzung
Die Reise kann man auch Tag für Tag im Detail nachlesen:
Tag 1: Von Salzburg nach Piacenza
Tag 2: Vom Nebelmeer ins Licht der Provence
Tag 3: Ausflug nach Cassis und Marseille
Tag 4: Wir verabschieden das Jahr in Aix-en-Provence
Tag 5: Eine Neujahrs-Wanderung rund um das Bio-Dorf Correns
Tag 6: Der letzte Tag vor der Abreise ist der Kunst gewidmet
Tag 7: Abschied von der Provence und der lange Weg nach Hause

















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