Wir starten an einem Sonntag zwischen Weihnachten und Neujahr und nehmen Kurs auf Piacenza, da wollen wir übernachten. Der Akku zeigt 100%, die Aussentemperatur hat am Morgen -2 Grad. Auf der deutschen Autobahn unspektakulär bis zum Inntal, über Kufstein nach Innsbruck und entlang der Brennerautobahn unter dem Schanzentisch der Bergiselschanze (entworfen von der genialen Architektin Zaha Hadid), über die 815 Meter lange Europabrücke – mit ihren 190 Metern Höhe die zweithöchste Brücke Europas – hinauf auf 1.370 Meter zum Brennerpass. Dort wollen wir eine kurze Kaffeepause machen und etwas Strom nachladen. Daraus wird nichts, aber davon später. In Italien angekommen, gehts nun wieder bergab, ideal zum Rekuperieren. Links und rechts der Talschluchten hohe, schneebedeckte Gipfel. Im Bassa Atesina, dem Südtiroler Unterland lockert die Landschaft auf und wird flacher und schon hat es 9 Grad plus!
In Affi verlassen wir die Autobahn. Genau an der Abfahrt befindet sich eine der größten Ladeparks in Italien: 18 IONITY Schnelllader mit je 350 kW und 24 Tesla Ladepunkte mit jeweils 250 kW. Wir lassen sie alle links liegen und nehmen die Bundesstrasse SS11 am Südufer des Gardasees, vorbei an Peschiera del Garda und Desenzano del Garda. Von dort ist es nicht mehr weit nach Brescia, wo wir die Autobahn wechseln Richtung Piacenza, dort sind wir im Hotel Torre di San Martino im Castello di Rivalta eingebucht zum Übernachten (inklusive Laden - aber davon später), und wo wir auch in nebenliegenden Ristorante Antica Locanda del Falco für ein Dinner einen Tisch reserviert haben. Bis dahin schneidet die Autobahn eine schwarze Linie durch die flache, weite Po-Ebene. Unter dem goldenen Schein der untergehenden Sonne ziehen sich endlose, braune Felder und schlanke Pappelreihen hin. Ein fast romantisches Bild. Noch immer zeigt der Thermometer 9 Grad....
Castello di Rivalta
Diese vermeintliche Burg liegt in der Region Emilia-Romagna, ca. 15 Kilometer südwestlich von Piacenza, in mitten des Naturschutzgebietes und Flussparks Trebbia. Tatsächlich steht aber am Ufer der Trebbia ein ganzes ummauertes Dorf und nicht nur eine Burg. Dieses kleine Dorf von Rivalta bewahrt die ursprüngliche Architektur von Privathäusern, Tavernen, Restaurants, Geschäften aus einer mittelalterlichen Tradition. Die Grafen Zanardi Landi, Nachkommen der Feudalfamilie aus dem 14. Jahrhundert, bewohnen noch heute dieses prächtige, elegante Anwesen, umgeben von einem herrlichen Park aus dem 18. Jahrhundert mit alten Bäumen und einem englischen Garten. Genau da wohnen wir. Weil wir 2024 schon einmal da waren. Und weil es im Hof eine Ladestation gibt (aber davon später). Und weil im Restaurant diesmal "Pisarei e Fasò" auf der herbstlichen Speisekarte stehen.
Pisarei e Fasò
Wer draußen friert, braucht inwendige Wärme. Zum Beispiel durch Pasta aus Semmelbröseln, Butter und Mehl, wie man sie hier in der Gegend mit Tomaten und Bohnen macht. Se ist ein typisches Rezept aus Piacenza. Seine Herkunft ist ungewiss, aber sehr alt. Es scheint bis ins Mittelalter zurückzureichen, als Pilger, die entlang der Via Francigena nach Rom reisten, in den Gästen und Klöstern unseres Territoriums eine Bohnensuppe aus Knödeln aus Brot und Mehl in einer Sauce aus Bohnen und Schweineschwarte fanden, vielleicht Abfall aus der Küche der Reichen. Es ist köstlich, aber unglaublich sättigend. Ein kulinarisches Highlight der Cucina povera. Am Ende des Posts findet ihr das Rezept zum Downloaden.
Aber natürlich haben wir im Ristorante Antica Locanda del Falco nicht nur Pisarei gegessen, das Menü bestand aus:
– Pisarei e Fasò wie beschrieben
– Brust vom Perlhuhn mit Shitake-Pilzen mit Jus aus der fermentierten weissen Rübe
- Terrine aus dem Perlhuhn-Haxerl
– Schweinsbackerl in Wurzelgemüse-Weissweinwein-Sauce mit Pastinakenpüree
– Maroni-Mascarpone-Creme auf glacierten Maroni mit Eishaube und Cassis-Tupfern
dazu ein prickelnder biologischer Rotwein:
- Gutturni Copico, hergestellt aus handverlesenen Barbera- und Croatina-Trauben aus den Weinbergen von Uccellaia
Nachtrag von Verena: Die Magie eines Ortes
Auf der ganzen Welt gibt es magische Orte, dieser hier ist zweifellos einer davon. Die Schlossanlage der Familie Rivalta umfängt einem sofort mit einem ganz eigenen Zauber, sobald man den kleinen, geschlossenen Kosmos betritt. Die Locanda del Falco in Borgo di Rivalta setzt dann der Magie noch die Krone auf. Ein kleiner Lebensmittelladen mit allen Köstlichkeiten der Region empfängt den Gast am Eingang zur Locanda. Appetitanregender kann man frisches Wintergemüse, duftende Schinkenkeulen, Pasta-Varietäten und Spirituosen gar nicht präsentieren.
Und dann betreten wir die Locanda: Herzlicher Empfang, geschmackvolle, heimelige Atmosphäre, das perfekte Licht im ganzen Lokal und am Tisch, liebevolles Service und fantastisches Essen - ein Mix, der Feinschmecker wie uns ein himmlisches Wohlgefühl beschert.
Betreut wurden wir von Marco, der uns voller Stolz alle zusätzlichen Gerichte erklärt, die nicht auf der Karte stehen. Immer wieder überrascht er uns mit kleinen Tellerchen dazwischen, die wir nicht bestellt haben. Wir trinken zu unserer Essensauswahl den moussierenden Rotwein, den nur in der Provinz Piacenza gekeltert und nicht aus Gläsern, sondern aus Steingut-Tassen getrunken wird.
Der Abend fühlt sich angenehm nach Heimat an, nach unserer zweiten ‚Heimat des Herzens‘: Italien…
Und jetzt zu unserer heutigen Lade-Bilanz:
Wir starten mit vollem Akku, am Vortag geladen in der Mooncity Ladepark Salzburg, dem größten innerstädtischen Ladepark Österreichs. Zuhause wird an der Wallbox die Ladung gehalten und am frostigen Morgen vorgewärmt. Bei derShell-Tankstelle an der Europabrücke wollen wir Kaffee trinken und laden - alles besetzt. Wir fahren weiter. Bei der Ladestation des OMV Brennersee ebenfalls. Macht nichts, wir haben keine Not, noch 45% im Akku, aber wir wollen unserem Grundsatz treu bleiben, das Laden immer mit etwas Nützlichem zu verbinden.
Wir steuern am Brennerpass die Station Lanz an. Die Zahlung funktioniert nicht, wir sind nicht die einzigen, denen das widerfährt. An der danebenliegenden Tesla-Station können wir uns als Nicht-Tesla-Fahrer nicht registrieren, weil wir keine Netzverbindung am Handy haben. Funkloch bei Spusu. Schließlich landen wir in Varna bei Brixen bei der Kostner Service Station Vahrn: 6 Schnelllader 400 kW mit 100% Grünstrom, 8 Supercharger 400kW, überdacht mit diversen Serviceinrichtungen, dazu noch 4 Ladepunkte für LKWs und Autos mit Anhängern oder Wohnwagen - hier können sich so manche Betreiber eine Scheibe abschneiden. Ein Staubsauger an jeder Säule, ebenso Werkzeug zum Scheibenreinigen. Sehr viel Platz und eine perfekte Ausstattung. Leider hat das dazugehörige Restaurant geschlossen, kann man verschmerzen. Es ist Sonntag. Mit 97% starten wir die nächste Etappe, kommen mit 30% in Piacenza in unserem Hotel an. Aber: Ladesäule ausser Betrieb.
Fazit: Ein Tag der Ladepleiten und die Erkenntnis: Auto super, Infrastruktur hinkt noch nach, besonders die Verlässlichkeit betreffend. Beispielgebende Ladeplätze wie Kostner Service Station Vahrn oder Mooncity Salzburg sind leider noch selten. Aber mit dem steigenden E-Autobestand werden diese Beispiele sicher Schule machen...
Das war der erste Tag, hier wie immer die nützlichen Adressen dazu:
Hotel Torre di San Martino
Loc. Rivalta di Gazzola 29010 Piacenza
29010 Gazzola Di Rivalta, Italien
Tel: +39 339 298 7892
Mail: [email protected]
Web: www.castellodirivalta.it
Ristorante Antica Locanda del Falco
Castello di Rivalta, 4
29010 Gazzola Di Rivalta, Italien
Mail: [email protected]
Web: www.locandadelfalco.com
MOONCITY | MOON POWER GmbH
Sterneckstraße 28-30
A-5020 Salzburg
Tel: +43 662 468 132 82 i
Mail: [email protected]
Web: www.mooncity-salzburg.at
Kostner Service Station Vahrn
Vahrn, Forchstraße 2
Tel: +39 0472801712
Mail: [email protected]
Web: https://www.kostner.net


























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Engelbert Egger (Montag, 29 Dezember 2025 00:20)
Trotz der Ladehemmung ein spannender Beginn einer tollen Reise. Freue mich auf die nächsten Berichte weiter viel Freude und bessere „Strom“ Anschlüsse ���♂️
Thomas (Montag, 29 Dezember 2025 07:29)
Und trotz Ladepleiten seid ihr angekommen � viel Spaß weiterhin
Hattinger Klaus (Montag, 29 Dezember 2025 14:43)
Ein sehr schöner Reisebericht. Mir gefällt besonders, wie selbstverständlich du Reisen, Genuss und Technik verbindest. Genau das zeigt, worum es eigentlich geht: Nicht um Reichweitenangst oder Ladezeiten, sondern darum, dass Mensch und Maschine zur richtigen Zeit ausreichend Energie haben, um entspannt unterwegs zu sein. Wenn Planung, Pausen, gutes Essen und Technik zusammenspielen, wird Mobilität nicht anstrengender – sondern besser. Ich freue mich auf die nächsten Etappen.