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Tag 5: Eine Neujahrs-Wanderung rund um das Bio-Dorf Correns

Heute, am ersten Tag des neuen Jahres, lassen wir die Elektromobilität ruhen und machen uns auf zu einer Wanderung in die Gegend um das Dorf Correns. Alles ist geschlossen, sogar die kleine Bar im Zentrum, ab und zu begegnen uns Spaziergänger. Das Wetter ist mild, der Himmel blau, die Landschaft – daher kommt der Name "Provence Verte" – grün und saftig, wenn man von den kahlen Weinreben absieht. Da und dort erspähen wir kleine Blüten, weiss und gelb, und das mitten im Winter. Wir wandern zur Argens, die ziemlich viel Wasser führt und beobachten, wie das Wasser über die Steine gleitet.

Bei unseren ersten Reisen nach Correns stand am Ortseingang eine große Tafel: "1er Village BIO de France", erstes Biodorf Frankreichs, das im Jahr 1997 ausgerufen wurde. Eigentlich eine kleine Sensation. Dennoch kennt Correns kaum jemand oder weiß gar von der lokalen Agrarrevolte. Man ist hier nicht scharf auf Rummel, man war immer für sich. Das bedingt die geografische Lage: Rundherum ist die in einem Talkessel liegende kleine Siedlung umschlossen von bewaldeten Bergen, in die sich der Fluss Argens, der Silberne, gegraben hat. Eine eigene, ziemlich unnahbare Welt. 

 

Ein Ort, wie aus der Zeit gefallen, tief im Herzen der Provence, Sommer wie Winter sattgrün und reich an Wasser, eine scheinbar intakte Natur ringsumher. Das ist die "Provence Verte", die sich zwischen den Gorges du Verdon im Norden, dem Massif des Maures im Südosten und dem Walfischbuckel der Sainte-Baume im Südwesten erstreckt. Seit jeher ein gutes Klima, gerade für den Weinbau, aber durch die Klimaveränderungen der letzten Jahre spielt das Wetter auch hier immer wieder verrückt. 

Seit je hat man in Correns kaum etwas anderes gemacht als Wein angebaut. Inzwischen wird auf etwa 95 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche von Correns, etwa 300 Hektaren, nur noch biologisch produziert. Das Konzept ging auf: Über 200 Leute sind zugezogen – enorm viel für ein Dorf mit heute knapp 900 EinwohnerInnen. Das Rathaus wurde modellhaft unter Bioaspekten renoviert, die Wände wie früher wieder mit Naturfarben verputzt und mit großen Lettern «Republique Française – Liberté, Egalité, Fraternité» auf die Fassade geschrieben. In der Schulkantine bekommen die Kinder Biogerichte, die neue Heizung funktioniert mit Holz. 

 

Die Corrensois haben sogar den Verein für partizipative Demokratie Correns 21 gegründet, der es ermöglichte, gemeinsame Gärten zu starten, ein Stromsparsystem für die öffentliche Beleuchtung zu installieren, eine Studie über das Interesse von Bio an der lokalen Biodiversität zu starten, ein Buch der von den Ältesten gesammelten Dorfrezepte herauszugeben, Konferenzen und Seminare zum ökologischen Übergang zu organisieren. Die vollständig mit Bio-Label versehene Gemeinde hat sich auch für erneuerbare Energien und nachhaltige Entwicklung eingesetzt: Sonnenkollektoren, Farben mit natürlichen Farbstoffen im Rathaus, Heizung der Gemeinderäume durch Aufwertung von Holzabfällen, aber auch Pädagogik in der Kantine für Kindern jeden Tag zu erklären, was sie essen, und sie dazu zu bewegen, ihren Abfall zu wiegen, um Verschwendung zu reduzieren, ihre Umgebung zu kennen. Die Schule wurde übrigens von der Nationalen Bildung für ihr pädagogisches Umweltprogramm als „Öko-Schule“ ausgezeichnet. Klein, fein, scheinbar unscheinbar und doch so einen Riesenpotenzial, ein Vorbild für viele und größere Städte und Gemeinden zu sein.

 

Übrigens: George Clooney ist gerade mit seiner Familie hierher gezogen nach Brignoles, einen Steinwurf von Correns entfernt. Warum? Clooney hat mehrfach betont, dass die Familie ein ruhigeres Leben sucht – besonders für die Kinder Ella und Alexander. Ausserdem gibt es hier mehr Privatsphäre: Frankreichs Datenschutz- und Anti-Paparazzi-Regeln gelten als deutlich stärker als in den USA, was ihm hilft, seine Familie aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Und: Er meint, dass das Landleben "den Kindern die beste Chance auf ein normales Leben" gebe – mit weniger Medien- und Ruhmeinfluss...  

 

Und doch noch ein paar Worte zur Elektromobilität:

Unser ID.7 ruht heute, verbunden mit einer Nabelschnur, die ihn mit 2kW Strom versorgt - morgen wird er wieder voll und topfit sein. Und wer glaubt, hier am Land gibt es keine E-Mobilität, der täuscht sich, auf unserer Wanderung hatten wir eine eindeutige Begegnung...

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Kommentare: 1
  • #1

    Hattinger Klaus (Samstag, 03 Januar 2026 09:20)

    Dass hier Natur, Bio-Landwirtschaft, Bildung und erneuerbare Energie so selbstverständlich zusammenfinden, ist inspirierend. Und das Ganze auch noch umgeben von Wein.