Wann immer wir den Jahreswechsel in der Provence verbringen, gibt es einen Fixpunkt: den 31. Dezember in Aix-en-Provence. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Wir flanieren ohne Ziel durch die Stadt, lassen uns treiben. Die Luft ist kühl, aber mild genug, um den Winter zu vergessen. Sie riecht nach Kaffee, nach Zitrusschalen, nach Rauch – gerade am Place Richelme, wo sich die Stände dicht an dicht drängen. Ich habe meine Kamera dabei, zu verlockend ist es, die Details festzuhalten. Hier gibt es keine Hast, eher eine konzentrierte Geschäftigkeit. Hände prüfen Salatköpfe, wiegen Käse, klopfen auf Brotlaibe. Das leise Knacken mischt sich mit Stimmen, mit dem Schaben von Messern, mit dem dumpfen Rollen von Kisten über den Steinboden. Ich denke an Cézanne, an seine Äpfel, die er immer und immer wieder gemalt hat, an diese Art, Dinge so zu betrachten, als hätten sie ein eigenes Gewicht in der Welt.
Von den vier Cezanne-Ausstellungen hat nur mehr eine einzige geöffnet, leider heute gerade nicht: „Aix et Cezanne“ im Musée du Viejo Aix (Hotel Estienne de Saint-Jean), die die komplexe Beziehung zwischen Paul Cezanne und seiner Geburtsstadt untersucht. Auch wenn der Maler heutzutage in Aix-en-Provence gefeiert wird, war sein Werk dort nicht immer anerkannt, und die Liebesgeschichte zwischen dem Maler und seiner Stadt war keineswegs eine Romanze ohne Hindernisse. Die zwischen Ablehnung und posthumer Bewunderung lavierende Ausstellung bietet einen spannenden Blick in die Geschichte eines Genies, mit dem die lange zurückhaltende Stadt heute untrennbar verbunden ist. Erinnert ein wenig an Mozart und Salzburg...
Auf der Place de l’Hôtel de Ville duftet es nach Blumen. Mimosen, Rosen, Eukalyptus – Farben gegen den Winter. Menschen kaufen Sträuße und tragen sie wie kleine Versprechen nach Hause. Silvester ist hier kein Bruch, sondern eine Schwelle. Man genießt die letzten Stunden des alten Jahres und gönnt sich etwas, hier sechs Austern, dort ein Glas Champagner, vielleicht auch nur einen Kaffee mit einem Calisson, Genuß steht im Mittelpunkt dieses besondern Tages. Wir haben und für - wie könnte es anders sein - für die "Brasserie Leopold" entschieden. Eine gute Wahl unserer Freundin Patrizia, die Aix-en-Provence wie ihre Manteltasche kennt.
Und wir entdecken wieder einmal etwas Neues: Die Santons der Provence. Sie sind ein Muss zu Weihnachten in dieser Gegend. Wenn der Dezember in der Provence anbricht, ist es Tradition, die Weihnachtskrippe aufzubauen und sie mit handgemachten Tonfiguren zu bevölkern. Diese kleinen Figuren, die ursprünglich die Heiligen Josef, Maria und Jesus darstellten, werden eben Santons genannt (kleiner Heiliger, Santoun auf Provenzalisch). Ursprünglich wurden diese kleinen Heiligen aus Semmelbröseln oder Pappmaché hergestellt, ihre Geschichte geht reicht in die Französische Revolution zurück. Heute kennt die Vielfalt kein Ende - vom Bäcker bis zur Schneiderin ist alles erlaubt.
Der Cours Mirabeau zieht uns an wie immer. Die Platanen stehen kahl, aber die Lichterketten geben ihnen Kontur. Zwischen den fünfzig Chalets des Weihnachtsmarktes dampft der Glühwein, süß und würzig, ein Geruch, der sich mit gerösteten Mandeln mischt. Das Quietschen eines Karussells, irgendwo ein Akkordeon. Ich bleibe stehen, schaue, höre. Das Licht ist ganz besonders, der Himmel leicht bedeckt. Mich als Fotografen zieht das besonders an. Wir schlendern weiter Richtung Justizpalast, ein denkwürdiger Ort, wurde doch dort 1977 das letzte Todesurteil in Frankreich ausgesprochen.
Ein paar Schritte, ein Innehalten. Jetzt beginnt die Stadt bereits, sich zurückzuziehen, als sammle sie Kraft für die Nacht. Zeit für uns, zurück nach Correns zu fahren, mit dem Gefühl, dass dieser Tag nicht zwischen zwei Jahren hängt, sondern sie leise miteinander verbindet.
Die Adressen dazu:
Brasserie Léopold
2 Av. Victor Hugo
13100 Aix-en-Provence
Tel: 04 51 68 15 15
Web: hotel-saintchristophe.fr
Musée du Viejo Aix - Hotel Estienne de Saint-Jean
17 Rue Gaston de Saporta
13100 Aix-en-Provence
Unsere heutige Lade-Bilanz:
Da wir mit fast vollem Akku gestartet sind, bestand keine Notwendigkeit zum Laden, die Kapazität beim Volkswagen ID.7 lässt einem für Tage dieses Thema vergessen. Trotzdem sieht man sich um - dabei ist uns folgendes aufgefallen: In der fast vollen Parkgarage im Zentrum von Aix waren alle Ladepunkte ausnahmslos besetzt (es waren sicher keine 20), aber die Anzahl der E-Autos in der Garage war auffallend hoch. Also, bitte, ihr Garagenbetreiber: Nachrüsten, nachrüsten, nachrüsten...











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