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Volker Quaschning über das Nicht-Erreichen der deutschen Klimaziele

@ NANO / 3SAT

Aus dem großartigen NANO Wissenschaftsmagazin (3SAT) vom 16. März 2026: Prof. Dr. Volker Quaschning (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) spricht im Interview über das (Nicht-)Erreichen der Klimaziele in Deutschland.

 

Unter folgendem Link kann man den TV-Beitrag nachsehen: https://www.facebook.com/reel/862820756774689

 

NANO: Es gab mal eine Zeit, da hat sich Deutschland als Klimamusterschüler bezeichnet. Mittlerweile werden wir gerade noch so versetzt. Ob wir allerdings das langfristige Klassenziel, das da lautet, klimaneutral bis 2045, erreichen? Wohl kaum. Dass wir beim Klimaschutz also deshalb auf der Stelle treten, wird Volker Quaschning vermutlich nicht überraschen. Er ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Und mit ihm dürfen wir die Klimabilanz nun einordnen. Herr Quaschning, erleben wir in Sachen Klimaschutz gerade die Rolle rückwärts? Ist die Klimaneutralität bis 2045 überhaupt noch zu schaffen? Wir treten zumindest mal das falsche Pedal. Wir haben ja gesehen in den Berichten vom Umweltministerium und auch vom Umweltbundesamt, dass die Deckungslücke immer größer wird.

 

QUASCHNING: 2030 klappt es noch so haarscharf, 2045 werden wir massiv danebenlegen. Das heißt, wir müssen jetzt beim Tempo beim Klimaschutz Gas geben. Und stattdessen zielen alle Gesetze, die jetzt gemacht werden sollen, eigentlich darauf, dass es langsamer geht. Mehr Gas, weniger Wärmepumpen, länger Verbrennerautos. Und das ist natürlich genau das Falsche, was wir jetzt brauchen. Ja, falsches Pedal, gutes Stichwort.

 

NANO: Ein Sorgenkind ist ja der Bereich Verkehr, auch weil die Elektromobilität nicht auf die Straße kommt. Grund zu heiß ist oft die fehlende Ladeinfrastruktur. Im Bericht zur Klimabilanz steht, 75 Ladepunkte pro Tag werden zugebaut. Das wären rund 28.000 im Jahr. Reicht das nicht für den nötigen Push? 

 

QUASCHNING: Na, vollkommen klar. Ich fahre seit sechs Jahren elektrisch und hatte noch nie Probleme, mein Auto nachzuladen. Man kann ja mal in andere Länder schauen. In Norwegen ist man jetzt bei nahezu 100 Prozent Elektroautos. Und ich war in Norwegen unterwegs, wo wahnsinnig viel mehr Ladesäulen haben, die da auch nicht. In Dänemark ist man jetzt in den ersten Monaten dieses Jahres bei rund 90 Prozent Neuzulassung. Da hat man das halt einfach über den Preis gemacht. Verbrennerautos sind teuer, Elektroautos günstig und dann funktioniert das. Aber das trauen wir uns in Deutschland irgendwie nicht, weil wir einfach eine Autoindustrie schützen wollen. Und die am Ende aber auch gegen China verliert. 

 

NANO: Ja, da braucht es noch mehr Mut. Die Bundesregierung hat nun auch das Gebäudemodernisierungsgesetz auf den Weg gebracht. Wie es heißt, soll es auf mehr Flexibilität gesetzt werden, die 65 Prozent erneuerbare Energienpflicht entfällt. Wird sich am Ende aus Kostengründen, wir haben jetzt ja auch gerade einen steigenden Ölpreis, trotzdem die Wärmepumpe durchsetzen? 

 

QUASCHNING: Na ja, die Wärmepumpe ist die einzige Möglichkeit, wie wir in Deutschland klimaneutral werden können. Das heißt, mit Gasheizung funktioniert das nicht. Das grüne Gas oder der Wasserstoff, der da versprochen wird, ist viel, viel zu teuer. Der wird auch die Mieterinnen und Mieter dann finanziell überlasten. Und deswegen ist jede Gasheizung, die jetzt eingebaut wird, noch einfach eine Altlast. Die Heizungen leben 25 Jahre und mit denen haben wir im Prinzip keine Chance mehr, zu einem irgendwie akzeptablen Preis klimaneutral zu werden. 

 

NANO: Ja, eine Forderung, die im Zuge dessen immer wieder zu hören ist, lautet ja zurück zur Atomkraft. Auch EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bezeichnete das aus der Kernkraft sogar nun als Fehler. Sie sehen das vermutlich anders. 

 

QUASCHNING: Na ja, das ist eher so vielleicht ein bisschen Wahlkampfhilfe für Macron. Also in Europa gibt es ja wirklich keine sinnvollen Ambitionen mehr für die Kernenergie. Die Kraftwerke, die gebaut werden, sind viel zu teuer. Sie brauchen ewig, wir haben jetzt Bauzeiten von 15, 17, 20 Jahren. Das heißt also, für den Klimaschutz bringt das nichts. In Deutschland ist es technisch gar nicht sinnvoll, weil die Atomkraftwerke Grundlastkraftwerke sind, die durchlaufen müssen eigentlich, um wirtschaftlich zu sein. Aber die Erneuerbaren fluktuieren, sind also schwankend. Das passt nicht zusammen und deswegen ist diese Diskussion in Deutschland relativ schräg. Die lenkt ab, aber hilft uns nicht weiter. 

 

NANO: Wird aber immer wieder geführt. In den nächsten zwei Wochen muss Umweltminister Schneider ein Klimaschutzprogramm vorstellen. Wir haben es eben im Beitrag gesehen. Was sollte denn da genau drinstehen? 

 

QUASCHNING: Naja, wir erwarten ja massive Zielverfehlung im Verkehr und in den Gebäuden. Und das wird uns ja auch über den EU-Emissionshandel und die Gesetze, die auf EU-Ebene hin teuer zu stehen kommen. Wir werden ja Milliarden an Strafen zahlen oder das kommt auf uns zu. Deswegen müssen wir vor allem den Verkehr und die Gebäude in den Griff bekommen und im Prinzip nicht das Heizungsgesetz ändern. Das wäre eine ganz gute Sache, dass wir bei der Wärmepumpe bleiben und ein schnelleres Verbrenner aus an Dänemark, an Norwegen orientieren. Da funktioniert das ja. Und dann würden wir die Klimaschutzziele erreichen, viel Geld sparen, auch über die EU-Kompensationen, die nötig sind und dann auch endlich auf dem Zielpfad sein.

 

NANO: Herr Quaschning, Sie haben die Hausaufgaben klar benannt. Ob sie dann tatsächlich auch gemacht werden, das ist, glaube ich, eine ganz andere Frage. Vielen, vielen Dank für das Gespräch.

 

Volker Quaschning ist nicht nur eine der prägendsten Stimmen in der gesellschaftlichen Debatte um Klimaschutz und Energiewende im deutschsprachigen Raum, er ist auch der wohl bekannteste und profilierteste Wissenschaftler im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland. Seine Tätigkeit umfasst eine einzigartige Kombination aus universitärer Lehre und Forschung, erfolgreicher Fachbuchautorschaft und intensiver, öffentlichkeitswirksamer Wissenschaftskommunikation. Er betreibt ein eigenes, unabhängiges Webportal, auf dem er regelmäßig über erneuerbare Energien und Klimaschutz informiert. Eine dieser Portale ist der DAS IST EINE GUTE FRAGE Podcast - der Podcast zur Klimakrise und Energierevolution, den Volker mit Ehefrau Cornelia Quaschning gemeinsam betreibt. für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. Die beiden entwickeln dabei neue Ideen und Impulse, wie man Klimaschutz und Energiewende in der Gesellschaft weiter voranbringen kann: https://dasisteinegutefrage.de

 

 

Hier ist das ganze Interview auf Video abrufbar:


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