Die Einführung der Gurtpflicht vor 50 Jahren führt uns eindrucksvoll vor Augen, was echte politische Führung bedeutet. Als die Verkehrstoten in den 1970er Jahren Rekordwerte von teils über 2.500 Opfern pro Jahr erreichten, handelte der Staat drastisch. Maßnahmen wie die Gurtpflicht (1976), Tempo 130 auf Autobahnen, die 0,5-Promille-Grenze oder die strenge § 57a-Pickerl-Überprüfung galten damals als massiver Eingriff in die persönliche Freiheit und das „Recht auf freie Fahrt“. Ein Aufschrei ging durchs Land. Doch das Fazit von damals ist eindeutig: Der Staat hat akzeptiert, dass freundliche Appelle („Fahren Sie bitte vorsichtig“) nicht ausreichen. Er hat mit harten Gesetzen durchgegriffen, um das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zu schützen.
Betrachten wir nun den heutigen Umgang mit der Erderwärmung, regiert ein tödliches Laissez-faire. Anstatt mit derselben staatlichen Entschlossenheit vorzugehen, verlässt sich die Politik auf das Prinzip der Freiwilligkeit und der Verzögerung. Österreich hat es über Jahre nicht geschafft, ein verbindliches Klimaschutzgesetz mit einklagbaren Reduktionspfaden zu verabschieden – stellen Sie sich vor, wir hätten jahrelang keine Straßenverkehrsordnung! Anstatt die Bodenversiegelung als massiven Hitzetreiber hart zu deckeln, wird weiter zubetoniert – ein fehlendes „Tempolimit“, das in Hitzewellen wortwörtlich Menschenleben kostet. Und während im Verkehr Sicherheitsrisiken verboten wurden, werden klimaschädliche Praktiken wie das Dieselprivileg weiterhin mit Milliarden gefördert.
Doch wir müssen erkennen, dass es hier längst nicht mehr nur um abstrakte Klimaziele für die Zukunft geht. Eine aktuelle Auswertung des International Council on Clean Transportation (ICCT) rückt die unsichtbare Gefahr direkt vor unserer Haustür in den Fokus: Die Luftverschmutzung durch den weltweiten Straßenverkehr führt rechnerisch alle 45 Sekunden zu einem vorzeitigen Todesfall. Alle zwei Minuten kommt ein neuer Asthmafall bei Kindern hinzu, der direkt auf Abgase zurückzuführen ist. Diese Menschen erkranken an dem, was der Verbrennungsmotor heute direkt vor ihrer Nase ausstößt: Stickoxide und Feinstaub. Der rasche Umstieg auf emissionsfreie Elektromobilität ist daher keine reine Klimadebatte, sondern unmittelbar notwendige Gesundheitsvorsorge.
Wir brauchen heute wieder den politischen Mut der 1970er Jahre. Wer Leben schützen will, darf keine Angst vor unpopulären Entscheidungen haben.
Weiterführende Informationen zum Thema:
https://www.lovelectric.at/2026/06/27/die-hitze-tötet-doppelt-so-viel-menschen-als-der-verkehr/


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