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Alternativen zur Wegwerf-Logik: Zweites Leben für alte Busse

Es passiert in einer unscheinbaren Werkshalle in Erfurt. Und was dort geschieht, sollte eigentlich das Normalste der Welt sein – stattdessen wirkt es in unserer heutigen Wirtschaftslogik fast wie eine Revolution. Ein alter, lauter Dieselbus fährt hinein. Ein flüsterleiser Elektrobus fährt wieder hinaus. Motor, Tank und Abgasanlage fliegen raus. Batterie, Elektromotor und Leistungselektronik kommen rein. Aus einem Fahrzeug, das die Buchhaltung eigentlich schon abgeschrieben und für den Export (sprich: zur weiteren Luftverpestung in anderen Ländern) vorgesehen hatte, wird ein fast neues, lokal emissionsfreies Verkehrsmittel. Wir bei LOVELECTRIC fragen uns: Warum passiert das nicht flächendeckend bei uns in Österreich? Warum denken wir bei der Mobilitätswende immer nur ans Wegwerfen und Neukaufen?

 

Die österreichische Buswende: Ein teurer Tauschhandel

Ja, der öffentliche Verkehr elektrifiziert sich. Die ÖBB Postbus baut die E-Flotte aus, ALBUS Salzburg betreibt aktuell mehr als 50 E-Busse im regulären Linienbetrieb. Bis Ende 2028 soll die Flotte auf insgesamt rund 80 Elektrobusse aufgestockt werden, um den öffentlichen Verkehr in der Stadt vollständig emissionsfrei zu machen. Das ist großartig. Aber es gibt einen massiven blinden Fleck in dieser Erfolgsstory: Was passiert mit den hunderten, noch völlig intakten Dieselbussen? Sie werden verkauft. Meist Richtung Osten oder Süden. Dort verbrennen sie munter weiter Diesel. Die Klimabilanz sieht dann bei uns in Salzburg oder Wien zwar hübsch sauber aus, aber global betrachtet haben wir den Auspuff nur über die Grenze geschoben. Das ist nicht nachhaltig, das ist Greenwashing-Buchhaltung.

 

Der kaufmännische Wahnsinn: Chassis statt nur den Antrieb tauschen

Rechnen wir mal nach. Ein nagelneuer Elektrobus kostet rund 600.000 Euro. Die Retrofit-Spezialisten (also die Umbauer) in Erfurt erledigen den Job für etwa ein Drittel dieser Summe. Aber es geht um weit mehr als nur um den Kaufpreis. Es geht um pure Materialverschwendung. Wenn wir über E-Mobilität reden, streiten alle nur über Batterien. Niemand spricht über die Tonnen an Stahl, Aluminium, Glas und Kunststoff, die bereits in so einem Bus stecken. Die Herstellung des Chassis verschlingt unfassbare Mengen an Energie. Wer einen funktionierenden Bus wegschmeißt, wirft ein komplettes industrielles Meisterwerk auf den Müll, nur weil das kleine Bauteil namens "Motor" nicht mehr zeitgemäß ist. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr Haus abreißen und neu bauen, nur weil die Heizung kaputt ist. Absurd? Genau das machen wir gerade mit unseren Busflotten.

 

Warum zögern Land und Verkehrsbetriebe?

Natürlich kennen wir die Einwände der Branche. Reichweitenangst, Haftungsfragen, Lebensdauer des alten Fahrgestells. Die Verkehrsbetriebe wollen Sicherheit. Aber Erinnern wir uns: Genau dieselben Bedenken ("Das funktioniert doch im Winter nie!") hörten wir vor fünf Jahren über Elektrobusse generell. Heute sind sie Alltag. In Wahrheit fehlt es an Mut und einheitlichen Standards.

 

Fortschritt heißt nicht immer "Neu kaufen"

Die Frage, die sich Österreich und gerade auch wir hier in Regionen wie Salzburg stellen müssen, ist fundamentaler: Wie definieren wir Fortschritt in Zeiten knapper Budgets und geopolitischer Krisen? Wir haben jahrzehntelang gelernt, dass Fortschritt Konsum bedeutet. Neues Auto, neuer Bus. Aber im Sinne unserer Vision der Alpen-Autarkie müssen wir klüger werden. Die nachhaltigste und billigste Ressource ist jene, die wir bereits haben. Ein Retrofit-Bus ist nicht nur ein umgebautes Fahrzeug. Er ist ein kaufmännisches Statement gegen die Wegwerfgesellschaft. Er fährt mit heimischem Sonnenstrom, schont die Gemeindebudgets um zwei Drittel der Anschaffungskosten und behält wertvolle Rohstoffe im Kreislauf.

 

Die Mobilitätswende entscheidet sich nicht nur daran, womit wir künftig fahren. Sie entscheidet sich auch daran, wie klug wir das nutzen, was wir bereits mit viel Energie gebaut haben. Es ist Zeit, dass diese Denkweise auch in unseren österreichischen Werkshallen Einzug hält.

 

Kontakt:

to zero electric vehicles GmbH

Hans-Georg Herb und Andreas Pfeffer

Hauptstraße 12

22929 Rausdorf

Web: https://to-zero.de

E-Mail: [email protected]

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