Wer anspruchsvoll reist und gutes Essen sowie exzellente Weine schätzt, blickt mit hohen Erwartungen nach Dänemark. Schließlich gilt das Land als Epizentrum der New Nordic Cuisine. Nach fast zwei Wochen auf den Straßen Jütlands und der Inseln müssen wir jedoch eine ehrliche und nüchterne Zwischenbilanz ziehen: Die dänische Provinz hat uns kulinarisch phasenweise ziemlich enttäuscht.
Bitte nicht falsch verstehen: Ein traditionelles, handwerklich perfekt und frisch zubereitetes Smørrebrød ist eine Offenbarung. Doch abseits der Metropolen sind die Speisekarten der angestammten Lokale oft extrem überschaubar. Das kulinarische Straßenbild wird erschreckend dominant von paniertem Standard-Fisch, Burgern, Döner und Pizza geprägt. Auch die asiatische Küche hat ähnlich wie in anderen Ländern ihren festen Platz. Wer echte kulinarische Tiefe sucht, muss abseits der ausgetretenen Pfade sehr genau hinschauen.
Die Erweckung auf Møn: Das Ellevilde-Prinzip
Dass es auch völlig anders geht, erleben wir an den vergangenen beiden Abenden im Ellevilde Boutique Hotel hier auf Møn. Der Chef des Hauses verfolgt ein Konzept, das uns sofort begeistert: Statt einer endlosen Karte mit Kompromissen kocht er jeden Abend genau ein einziges Gericht – das dafür auf absolutem Höchstniveau.
Heute Abend kommt eine langsam geschmorte Schweinewade auf den Tisch, perfekt kombiniert mit frischen, regionalen Zutaten, die zeigen, wie viel Geschmack in der dänischen Erde steckt. Es ist genau die Art von ehrlicher, handwerklicher Küche, die wir so lange vermisst haben. Und das am Fenster mit Blick in den Blumengarten...
Dazu dänischen Wein? Ja, den gibt es!
Die Krönung dieses Abends ist jedoch die Entdeckung im Glas. Ja, richtig gehört: dänischer Wein. Und nein, es ist kein herkömmlicher Weißwein, sondern ein unfiltrierter Orange-Wein vom lokalen Weingut Bas.
Das Weingut selbst ist eine spannende Geschichte für sich, denn es besitzt Weinberge sowohl hier auf Møn als auch in der Nähe von Valencia in Spanien. Der Bas 31, den wir trinken, ist jedoch ein echtes Kind des Nordens, gekeltert aus den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWIs) Solaris und Orion, die perfekt mit dem dänischen Klima harmonieren. Mit einer Gesamtauflage von gerade einmal 800 Flaschen ist dieser Naturwein eine absolute Rarität. Im Glas präsentiert er sich unglaublich frisch, saftig, unfiltriert und mit einem eigenwilligen, einnehmenden Charme, der perfekt mit der geschmorten Schweinskeule harmoniert.
Mein persönliches Fazit zur dänischen Küche
Dänemark macht es anspruchsvollen Gaumen im ländlichen Raum nicht immer leicht. Die kulinarische Schere zwischen der schnellen Fast-Food-Küche und der absoluten Spitzenklasse ist riesig. Doch Orte wie das Ellevilde beweisen, dass die dänische Food-Revolution lebt – man muss nur die versteckten Oasen finden, in denen Nachhaltigkeit, Regionalität und echtes Handwerk keine Marketingfloskeln sind, sondern gelebte Leidenschaft.




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