Wir verabschieden uns heute bei bilderbuchartigem Sonnenschein von der malerischen Kulisse in Kerteminde und brechen auf zu einer Insel-Hopping-Etappe. Unser Ziel für den späten Nachmittag ist die Insel Møn. Doch die Strecke quer durch die dänische Geografie ist viel zu spannend, um sie einfach nur auf der Autobahn abzuspulen. Der VW ID.7 Pro Tourer bringt uns mit vollem Akku geschmeidig nach Osten – direkt auf das erste logistische Meisterwerk Dänemarks zu.
Halsskov Odde: Die Storebælt-Brücke im Breitbildformat
Die Überquerung des Großen Belts ist jedes Mal ein Erlebnis, haben wir mal wo gehört oder gelesen. Umso gespannter sind wir auf den Beweis dafür. Schon die Fahrt über diese Brücke ist eindrucksvoll und erinnert uns an vergangene Amerika-Aufenthalte. Sobald wir das westliche Ende der gigantischen Storebæltsforbindelse erreichen, verlassen wir auf der seeländischen Seite sofort die Autobahn und steuern die Landspitze Halsskov Odde an. Hier steht man direkt am Fuß eines architektonischen Giganten. Halsskov Odde ist der ultimative Aussichtspunkt, um die schiere Dimension dieser Hängebrücke – immerhin die drittlängste der Welt – zu begreifen. Die gewaltigen, 254 Meter hohen Pylone ragen majestätisch aus dem Meer und das filigrane Band der Fahrbahn spannt sich scheinbar schwerelos über die Meeresenge. Während direkt neben uns der Verkehr im Minutentakt über das Meer schleust, nutzen wir die windige Kulisse für eine ausgiebige Fotopause.
Holmegaard Værk: Wo Glas und Geschichte schmelzen
Unser Weg führt uns tiefer in den Süden Seelands, vorbei an weiten Feldern hinein in das Hochmoor nahe Næstved. Hier wartet ein radikaler Kontrast zu der modernen Brücken-Infrastruktur auf uns: Holmegaard Værk. Diese legendäre Glashütte aus dem Jahr 1825 wurde in ein hochmodernes Erlebnismuseum für Glas, Keramik und skandinavisches Design verwandelt.
Schon beim Betreten der alten Werkshallen spürt man die kreative Energie. Das Museum ist kein verstaubter Ausstellungsraum, sondern bewahrt die raue, authentische Fabrikatmosphäre. Das unumstrittene Highlight ist eine schier endlose, gläserne Wand, in der über 40.000 historische Holmegaard-Glasdesigns im Scheinwerferlicht funkeln – ein absoluter Traum für jeden, der den minimalistischen dänischen Designstil schätzt. Wir schauen den Glasbläsern live bei ihrer schweißtreibenden Arbeit am glühenden Schmelzofen zu. Es ist faszinierend zu sehen, mit wie viel Stolz und Präzision Dänemark seine jahrzehntelange Handwerkstradition in die Moderne rettet.
Als zeitgenössische Fortsetzung dieser Geschichte schafft der bildende Künstler Esben Weile Kjær die Installation „New Galaxy“ in Zusammenarbeit mit den Glasbläsern von Holmegaard Værk und dem in Murano ausgebildeten Peter Kuchinke. Ausgehend von Veninis ikonischen Kronleuchtern verwandelt er Glas, Licht und Raum in ein dramatisches, sinnliches Ganzes – eine gefrorene Explosion aus Farbe und Energie, die zeigt, dass die Murano-Tradition noch immer lebendig und in Bewegung ist. „VENINI – Murano x Holmegaard“ ist ein Statement, dass für Visionen, Kooperationen und den Mut steht, das Handwerk von innen heraus zu erneuern – von den Lagunen Venedigs bis zu den Öfen von Holmegaard.
Mit einer Menge neuer visueller Eindrücke im Gepäck steigen wir wieder ins Auto. Die Straßen werden schmaler, die Landschaft sanfter, und am späten Nachmittag überqueren wir schließlich die Brücken nach Møn. Die Insel empfängt uns mit einer ganz eigenen, fast spürbar entschleunigten Energie, aber leider auch mit viel Regen. Morgen warten die berühmten weißen Kreidefelsen auf uns – und vielleicht, wenn das Wetter mitspielt, der erste Blick in den sternenklaren Himmel des Dark Sky Parks.





















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