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4. Etappe | Tag 8: Skagen – Wo sich Meere treffen und der Sand wandert

Das Motto gleich am Morgen: Der frühe Vogel schlägt das Kreuzfahrtschiff. Unser Blick auf den Hafenplan verrät uns im Vorfeld, dass heute um elf Uhr ein riesiges Kreuzfahrtschiff im Hafen anlegt. Da sich die beschaulichen Gassen von Skagen dann schlagartig füllen, sind wir besonders früh auf den Beinen.

Unser erstes Ziel ist Grenen, wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen. Wir steuern den ID.7 ein Stück nördlich von Skagen zum Parkplatz der Landspitze. Schon bei der Anfahrt sticht Det Grå Fyr, Skagens grauer Leuchtturm, markant hervor. Den touristischen Traktorbus „Sandormen“ lassen wir links liegen und wählen den gut 30-minütigen Strandspaziergang durch den weißen Sand vorbei an den alten Bunkern, die hier überall zu finden sind. Am äußersten Ende der Landzunge stehen wir schließlich bei strahlendem Sonnenschein – wie gesagt, das Wetter in Dänemark ist relativ – mit den Füßen im Wasser und erleben ein faszinierendes Naturschauspiel: Die dunklere, raue Nordsee (Skagerrak) trifft hier sichtbar auf die hellere, ruhigere Ostsee (Kattegat). Die Wellen laufen aus zwei Richtungen direkt gegeneinander. Es ist eine ganz besondere Energie, die man hier spürt; man fühlt sich augenblicklich freier und leichter.


Auf dem Rückweg durch die Dünen machen wir eine wunderbare Entdeckung: Eine Robbe liegt völlig entspannt im Sand und sonnt sich. (Dieser Teil des Blogposts ist zwar frei erfunden, aber in den Reiseführern steht, dass dies möglich ist!). Wir genießen das Juni-Licht, lauschen dem Kreischen der Möwen und verbringen so viel Zeit am Strand, dass uns am Ende schlicht die Motivation fehlt, noch die über 200 Stufen des grauen Leuchtturms zu erklimmen. Manche Aussichten genießt man eben besser von unten.

 

Skagen selbst empfängt uns anschließend wieder mit grauem Himmel, aber auch mit blühenden Rosen, den typisch sonnengelben Häusern mit ihren weißen Dachbalken und einer salzigen Frische in der Luft. Das Skagens Museum, das die Werke der berühmten Künstlerkolonie des späten 19. Jahrhunderts beherbergt, hat montags leider geschlossen. Viele Malerinnen und Maler, wie etwa P.S. Krøyer, kamen wegen des einzigartigen, hellen Lichts hierher. Meisterwerke wie das meistreproduzierte Strandbild „Sommerabend am Südstrand von Skagen“ (1893 von P.S. Krøyer gemalt) hätten wir gerne live gesehen, weil es die besondere, fast magische Lichtstimmung der Region sofort greifbar macht.

Der Stadtkern von Skagen ist – ehrlich gesagt – sehr, sehr touristisch, und so schlendern wir weiter hinunter zum Hafen, einem lebendigen und wirtschaftlich wichtigen Seehafen. In den charakteristischen roten Packhäusern direkt am Kai riecht es nach Teer und frischem Fisch. Die Fischer sind mit ihren Kähnen noch auf dem Meer unterwegs. Durch die Taue der wenigen im Hafen liegenden alten Holzboote sieht man bereits die Umrisse des AIDA-Kreuzfahrtschiffs, das gerade angelegt hat. Wir verlassen Skagen. Perfektes Timing.

Zum Abschluss des Tages wartet ein surreales Naturwunder wenige Kilometer südlich: die Råbjerg Mile, Nordeuropas größte Wanderdüne und die dänische Sahara. Ein gigantischer Berg aus rund 3,5 Millionen Kubikmetern Quarzsand, der eine Fläche von fast zwei Quadratkilometern bedeckt. Das Faszinierende an dieser 40 Meter hohen Düne ist ihre Dynamik: Sie wandert jedes Jahr um etwa 15 Meter nach Nordosten. Rein rechnerisch wird sie in 100 bis 200 Jahren die Hauptverkehrsstraße nach Skagen komplett unter sich begraben. Bäume, die von der Sandwalze verschluckt werden, tauchen rund 40 Jahre später auf der anderen Seite als kahle Skelette wieder auf.

 

So erging es auch der versandeten Kirche St. Laurentius südwestlich von Skagen. Aufgrund starker Versandung wurde das Kirchenschiff 1805 abgerissen. Der Kirchturm blieb jedoch – zunächst als Seezeichen – erhalten. Heute ist er eine Touristenattraktion. Wir Menschen sind doch alle etwas seltsam: Was genau ist eigentlich so schön daran, einem Kirchturm beim Untergehen zuzusehen?

Als wir die goldenen Hügel besteigen, zeigt sich das dänische Wetter wieder von seiner wechselhaften Seite. Der Himmel verdunkelt sich und die ersten Regentropfen fallen auf den warmen Sand. Unser Aufenthalt in dieser dänischen Sahara fällt deshalb kurz aus – doch die monumentale Kulisse beeindruckt uns auch in der Kurzversion nachhaltig.

 

Fazit des Tages:

Skagen selbst ist für unseren Geschmack etwas zu touristisch, aber seine Umgebung ist ideal für die eine oder andere absolute Sinneserfahrung. Das Zusammenspiel aus der rauen Gewalt der zwei Meere, der stillen Weite der Wanderdüne und der reichen Kulturgeschichte der Region macht diesen Tag unvergesslich.

Und am Schluss noch eine Erklärung, warum wir so wenige Nachtaufnahmen im Blog posten: Dank der hellen Juninächte wird es draußen einfach kaum dunkel. Die Sonne geht erst kurz vor 23 Uhr unter und scheint um 4 Uhr morgens schon wieder frisch und munter durch unser Hotelfenster...

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