Die beste Art, Samsø zu erkunden, ist auf zwei Rädern. Das ist jetzt nicht ganz überraschend für Dänemark, ein gut ausgebautes Netz an Radwegen gibt es eigentlich überall. Was aber überrascht: die unglaublich vielfältige Landschaft. Eine Insel für Romantiker und Technikfreaks zugleich: Charmante Dörfer, Windparks im Hintergrund, Café-Stops mit regionalen Produkten und jede Menge kleine Lademöglichkeiten in den Dorfzentren. Das ist uns aber heute egal, denn wir haben das E-Auto gegen zwei E-Bikes getauscht.
Von Ballen aus starten wir in den Norden. Das Wetter ist durchwachsen, der Wind böig und stark, manchmal müssen wir vor Regentropfen unter den einen oder anderen Baum flüchten. Trotzdem: die Landschaft überzeugt auch ohne Sonne. Grün bleibt grün, und diese Farbe ist hier wirklich in allen Schattierungen zu finden. Samsø trägt nicht umsonst den stolzen Beinamen „Dänemarks Gemüsekiste“. Dank des milden Inselklimas gedeihen hier auf fruchtbaren Böden einige der begehrtesten Agrarerzeugnisse des Landes. Berühmt ist die Insel vor allem für ihre frühen Kartoffeln, die so zart sind, dass Spitzenköche Höchstpreise dafür zahlen. Doch auch Erdbeeren, Spargel, Kürbisse, Kohl und Rhabarber wachsen hier in bester Qualität. Entdecken kann man die kulinarische Seite Samsøs in den vielen Hofläden und an Straßenständen, wo Bauern ihre Erzeugnisse direkt verkaufen.
Es gibt insgesamt 22 malerische Dörfer verteilt auf der ganzen Insel. Eines wollen wir hervorheben: Nordby. Dieser entzückende Ort, der letzte im Norden der Insel, wurde 1990 zu Dänemarks besterhaltenem Dorf gekürt. Seine engen Gassen mit reetgedeckten Fachwerkhäusern rund um einen Teich wirken wie ein lebendiges Freilichtmuseum. Dann radeln wir weiter zu einer Attraktion der besonderen Art: das Samsø Labyrinthen. Mit 60.000 m² Fläche (etwa zwölf Fußballfelder!) hält es einen Guinness-Rekord als größtes Labyrinth der Welt.
Aber Samsø ist weit mehr als nur hübsch. Seit 2007 ist die Insel ein global beachtetes Modell für Nachhaltigkeit: Sie produziert mehr erneuerbare Energie aus Wind, Sonne und Biomasse, als sie verbraucht, und exportiert sogar Überschüsse. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2030 komplett kohlenstofffrei sein. Der Schlüssel zum Erfolg? Die Teilhabe der Bevölkerung. Über 10% der Insulaner sind Miteigentümer der Windturbinen. Stichwort Windkraft: 11 große Onshore-Windräder, die den Strombedarf der Insel decken, und 10 Offshore-Windräder, die den Strom für den gesamten Transportsektor (inkl. Fähren) kompensieren. Im Energiakademiet (Samsø Energieakademie) in Ballen wird diese grüne Revolution dokumentiert und Besuchern aus aller Welt zugänglich gemacht. Hier kommen Experten aus aller Welt hin, um das Modell zu studieren. Ein inspirierendes Beispiel, wie lokale Initiative und gemeinsame Visionen Großes bewegen können. Aber mehr davon im nächsten Blogpost.
Unser Fazit: Wenn man sich auf diese Insel einlässt, ist das ein Ort zum Durchatmen, Staunen und Wiederverbinden – mit der Natur, mit lächelnden Menschen, köstlichem Essen und mit einer Gemeinschaft, die zeigt, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen kann. Man lässt sich schnell von der Magie dieser besonderen Insel anstecken. Man verlässt die Insel anders, als man angekommen ist: entschleunigt, inspiriert und mit der Gewissheit, einen ganz besonderen Ort entdeckt zu haben.







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