Diese Entscheidung zerstört mittelfristig die deutsche Innovationsführerschaft.
Die im Mai 2026 veröffentlichte Studie „Vorreiter stärken, nicht abstrafen“ des EMPOCI-Projekts (University of Sussex und Fraunhofer ISI) analysiert die aktuelle Transformation der deutschen Automobilindustrie hin zur Elektromobilität. Sie basiert auf einer Umfrage unter Führungskräften aus dem Jahr 2025 und zeigt eine Branche am Scheideweg, die tief in „Vorreiter“ und „Nachzügler“ gespalten ist. Dass dies nicht nur verheerende Auswirkungen auf die deutsche Automobil-Indutrie hat, sondern auch die österreichischen Zulieferer in die Krise stürzen würde, liegt auf der Hand.
Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Kernaussagen der Studie:
1. Die Industrie ist gespalten: Vorreiter vs. Nachzügler
Entgegen der oft homogenen Darstellung in öffentlichen Debatten ist die deutsche Automobilindustrie stark heterogen.
- Die Vorreiter (ca. 61 %): Diese Unternehmen (sowohl OEMs als auch viele KMU-Zulieferer) haben ihre Strategien und Forschungsaktivitäten bereits massiv auf E-Mobilität ausgerichtet. Sie befürworten die Beibehaltung des Verbrenner-Aus bis 2035, da sie Planungssicherheit benötigen und bereits investiert haben.
- Die Nachzügler (ca. 39 %): Diese Gruppe ist bei der Transformation weniger weit fortgeschritten und präferiert eine Lockerung der Klimaziele sowie eine „Technologieoffenheit“, um den technologischen Wandel zu verlangsamen.
2. Das Verbrenner-Aus als zentraler Motor
Die EU-weiten CO2-Flottengrenzwerte, die das Aus für neue Verbrenner ab 2035 vorsehen, sind der wichtigste politische Treiber für Innovationen. Die Studie identifiziert vier synergetische Wirkmechanismen dieser Politik:
- Aufmerksamkeit: Schärft den Fokus des Managements auf die Notwendigkeit des Wandels.
- Ausschluss: Reduziert ineffiziente Parallelentwicklungen und bündelt Ressourcen auf Zukunftstechnologien.
- Prognose: Bietet einen klaren zeitlichen Horizont für Investitionsentscheidungen.
- Koordination: Hilft dem gesamten Ökosystem (Hersteller, Zulieferer, Infrastruktur), Zeitpläne aufeinander abzustimmen.
3. Glaubwürdigkeit als kritischer Faktor
Die Wirksamkeit politischer Maßnahmen hängt direkt von ihrer Glaubwürdigkeit ab. Die Umfrage zeigt einen massiven Vertrauensverlust: Nachdem die Glaubwürdigkeit 2022 (u. a. durch die Tesla-Ansiedlung) einen Höchststand erreichte, sank sie 2023 durch abrupte Förderkürzungen und die Aufweichung des Klimaschutzgesetzes auf einen Tiefpunkt. Unternehmen investieren nur dann konsequent in E-Mobilität, wenn sie den politischen Willen als dauerhaft und verlässlich wahrnehmen.
4. Gefahr der „Bestrafung“ von Innovation
Die Studie warnt eindringlich davor, das Verbrenner-Aus aufzuweichen. Eine Lockerung würde genau die Unternehmen abstrafen, die frühzeitig investiert haben und im globalen Wettbewerb (insbesondere gegen China) am besten positioniert sind. Stattdessen sollten politische Maßnahmen die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen stärken, etwa durch Elektrifizierungsziele für Firmenflotten oder sinkende Strompreise.
Fazit und Empfehlungen
Deutschland riskiert seine Innovationsführerschaft, wenn es den Transformationspfad aus Rücksicht auf Nachzügler verlässt. Die Politik sollte:
- Den Vorreitern mehr Gehör schenken, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
- Die Glaubwürdigkeit wiederherstellen durch kohärente Entscheidungen und klare Roadmaps.
- Das Ambitionsniveau beibehalten, um Planungssicherheit für das gesamte automobile Ökosystem zu gewährleisten.

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