Die Geburtsstunde des E-Auto-Wunders
Stellen sie sich vor, es ist das Jahr 1989. In den Radiocharts läuft „Take on me“ oder noch besser „The Sun Always Shines on TV“, Neonfarben sind in, und Autos sind laut, stinken und schlucken Benzin. Niemand denkt an Elektromobilität – außer drei Männern in einem winzigen, klapprigen Fiat Panda, die gerade dabei sind, die Automobilgeschichte für immer auf den Kopf zu stellen. Diese drei Männer sind keine Ingenieure. Es sind Morten Harket und Magne Furuholmen von der legendären norwegischen Band A-ha sowie der Umweltaktivist Frederic Hauge von der Organisation Bellona. Ihr Ziel? Nicht weniger als eine Revolution.

Die Entdeckung
Alles begann auf einer Solarkonferenz in der Schweiz. Dort entdeckten sie diesen kuriosen Fiat Panda. Er hatte keinen Auspuff, keinen Verbrennungsmotor, sondern war von einem Tüftler auf Elektroantrieb umgebaut worden. Die Reichweite? Bescheidene 45 Kilometer. Die Ladezeit? Eine gefühlte Ewigkeit. Doch für die A-ha-Jungs war es Liebe auf den ersten Blick. Sie sahen nicht ein schwaches Auto, sie sahen die Freiheit von fossilen Brennstoffen. Für rund 10.000 Pfund kauften sie das Gefährt und brachten es nach Norwegen. Doch dort wusste niemand, was man mit einem „Auto mit Stecker“ anfangen sollte. Es gab keine Kategorie, keine Gesetze, keine Ladestationen. Kurzerhand meldeten sie den Panda wegen einer verbauten Propan-Heizung als „Wohnmobil“ an – der erste von vielen Geniestreichen.
Ziviler Ungehorsam
Was dann folgte, war die wohl charmanteste Rebellion der Verkehrsgeschichte. Die Gruppe begann, den kleinen Panda als Rammbock gegen die verkrustete Politik einzusetzen. Ihr Argument: Wer die Umwelt nicht verpestet, sollte nicht bestraft werden. Sie fuhren durch die Mautstationen rund um Oslo, ohne zu bezahlen. Sie parkten auf den teuersten Plätzen der Stadt, ohne einen Pfennig in die Automaten zu werfen. Jedes Mal, wenn sie von der Polizei angehalten wurden, erklärten sie mit einem Lächeln: „Dieses Auto ist sauber. Warum sollten wir für den Schutz unseres Planeten bezahlen?“ Die Behörden verstanden keinen Spaß. Es hagelte Strafzettel. Da die Bußgelder ignoriert wurden, beschlagnahmte die Polizei den Panda insgesamt elfmal. Doch jetzt kam der Clou: Wenn das Auto zwangsversteigert wurde, um die Schulden zu decken, tauchte niemand auf, um eine „Elektro-Kiste“ ohne Reichweite zu kaufen. Außer Bellona. Sie steigerten den Wagen für einen Apfel und ein Ei zurück – und die Tour de Force begann von vorn.
Morten Harket, der Leadsänger von A-ha, erklärte im Gespräch mit BBC Disclosure im Jahre 2022: „Ich hatte nicht wirklich das Gefühl, einen rebellischen Akt zu begehen. Im Nachhinein wurde mir klar, dass es genau das war – aber es war einfach notwendig. Es war das, was wir tun mussten. Und es ergab einfach Sinn!“
Der Popstar-Faktor: Wenn die Kamera mitfährt
Warum funktionierte dieser Protest, während andere Umweltaktivisten ignoriert wurden? Ganz einfach: Es waren A-ha. Wenn Morten Harket, das Teenie-Idol mit der glasklaren Stimme, aus einem abgeschleppten Fiat Panda stieg, waren alle Kameras des Landes dabei. Die Regierung konnte die peinlichen Bilder nicht länger ignorieren. Die Popstars machten das Elektroauto nicht nur politisch relevant, sie machten es cool.
Unter dem massiven öffentlichen Druck knickte die norwegische Regierung schließlich ein. Was als Guerilla-Aktion begann, wurde Gesetz. 1990 fiel die Importsteuer für E-Autos, später folgten die Befreiung von der Mehrwertsteuer, kostenloses Parken und die Nutzung der Busspuren.
Vom Fiat Panda zum E-Auto-Paradies
Wenn wir heute auf Norwegen blicken, sehen wir ein Land, in dem fast jeder Neuwagen elektrisch ist. Wir sehen eine Infrastruktur, von der der Rest der Welt nur träumen kann. Doch das Fundament für diesen Erfolg wurde nicht in den Vorstandsetagen der großen Autokonzerne gegossen. Es wurde auf den Straßen von Oslo gelegt, in einem umgebauten Fiat Panda, besetzt mit ein paar Dickköpfen, die fest daran glaubten, dass die Zukunft elektrisch ist.
Der kleine Panda steht heute übrigens im Museum. Er muss nicht mehr für seine Rechte kämpfen. Aber jedes Mal, wenn ein Tesla, ein ID.4 oder ein Polestar lautlos über Norwegens Straßen gleitet, schwingt ein bisschen „Take On Me“ im Fahrtwind mit. Die Geschichte zeigt uns: Manchmal braucht es nur ein kleines Auto und eine große Vision, um die Welt zu bewegen. Und genau diesen Spirit feiern wir hier bei Lovelectric.at.
Auch als Podcast: Wenn Sie das Thema E-Mobilität und Popstars noch tiefer interessiert, hören Sie sich doch den Podcast des Kulturvereins Kunstbox - die Lauschbox - an. In dieser Ausgabe geht es wie hier um A-ha, aber um noch eine weitere Rocklegende und einen österreichischen Weltmusiker. Alle drei haben eines gemeinsam: Sie sind nicht nur auf der Bühne unterwegs, sondern auch elektrisch – manche aus Überzeugung, manche aus Rebellion, manche aus purer Vernunft. Drei sehr unterschiedliche Künstler, die auf ihre eigene Weise die Elektromobilität geprägt haben. Hier gehts zur Lauschbox >>>

Kommentar schreiben