
Ja, ich weiß. Sobald man in Österreich das Wort Tempolimit in den Mund nimmt, betritt man ein hochemotionales politisches Minenfeld. OMV-Chef Alfred Stern hat genau das gewagt im Ö1-"Journal zu Gast“. Er argumentierte unter anderem, dass im Falle eines Treibstoffmangels es ganz klar sei, wie man sich als Konsument verhalten sollte: „Wenn es eine Mangellage gibt, dann müssen wir Treibstoff sparen. Weniger Autofahren, langsamer Autofahren – es gibt keinen Weg drumherum“, so Stern. Worte, die man in Österreich nicht so gerne hört, denn das Auto und die Geschwindigkeit sind für viele ein unantastbares Stück persönlicher Freiheit. Aber wenn wir die Emotionen kurz beiseiteschieben und uns rein auf die Physik und die Zahlen konzentrieren, wird die Sache erstaunlich klar.
Gehen wir einmal der Frage nach, was eine Reduktion auf 110/90/30 km/h (Autobahn, Freiland, Ortsgebiet) an Treibstoff einsparen würde. Das lässt sich auf zwei Ebenen beantworten. Einerseits für das einzelne Fahrzeug, andererseits für die gesamte Volkswirtschaft.
Die Physik des einzelnen Autos
Der Luftwiderstand wächst im Quadrat zur Geschwindigkeit. Das ist ein Naturgesetz, das sich nicht wegdiskutieren lässt. Das Umweltbundesamt (UBA) hat das für den österreichischen Pkw-Bestand sehr detailliert durchgerechnet.
Auf der Autobahn (von 130 auf 110 km/h): Hier liegt der größte Hebel. Wer 110 km/h statt 130 km/h fährt, spart laut den Messungen des UBA rund 16% an Treibstoff. (Bei einer Senkung auf 100 km/h wären es sogar knapp 23%). Ein Pkw, der bei 130 km/h sieben Liter verbraucht, benötigt bei 110 km/h nur noch etwa 5,8 Liter.
Auf der Freilandstraße (von 100 auf 90 km/h): Auch hier schlägt die Aerodynamik zu Buche. Eine Reduktion um 10 km/h in diesem Bereich senkt den Verbrauch um schätzungsweise 8% bis 10%.
Im Ortsgebiet (von 50 auf 30 km/h): Hier ist die reine Motorenphysik etwas komplexer, da Verbrenner-Autos bei 30 km/h oft in einem niedrigeren und ineffizienteren Gang fahren. Dennoch sinkt der Verbrauch in der Praxis. Der wahre Spareffekt entsteht im Ortsgebiet nämlich durch den flüssigeren Verkehr. Es gibt wesentlich weniger energieintensive Brems- und Beschleunigungsmanöver (Stop-and-Go).
Die volkswirtschaftliche Dimension (Gesamtösterreich)
Wenn wir das nun auf den gesamten Individualverkehr in Österreich hochrechnen, wird es spannend. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und das Umweltbundesamt haben für das noch strengere Szenario (100/80/30) errechnet, dass Österreich damit rund mindestens 10% des gesamten fossilen Treibstoffs im Kfz-Verkehr einsparen würde. Das entspricht etwa 900.000 Tonnen Treibstoff pro Jahr. Das von LOVELECTRIC vorgeschlagene Modell (110/90/30) ist etwas moderater, aber die Effekte bleiben massiv. Mobilitätsexperten gehen davon aus, dass dieses Szenario den landesweiten Gesamtverbrauch immer noch um realistische 7% senken würde. Zugegeben, es gibt auch Gegenstimmen. Der ÖAMTC argumentiert gerne, dass viele Menschen ohnehin schon langsamer fahren (etwa wegen Staus, Baustellen oder Lkw-Verkehr) und der rein theoretische Spareffekt einer Autobahnbeschränkung gemessen am Gesamtspritverbrauch des Landes nur bis zu 3% ausmacht.
Was bleibt: Die Zahlen zeigen uns unmissverständlich, dass der rechte Fuß der Autofahrer der effizienteste und billigste Energiesparhebel ist, den wir aktuell besitzen. Ein niedriges Tempo reduziert nicht nur den Verbrauch und damit unsere Abhängigkeit von importiertem Öl. Es auch die Kosten für jeden Einzelnen, halbiert nahezu den Schadstoffausstoß bei Stickoxiden und reduziert den Verkehrslärm spürbar. Eine Temporeduktion um nur 30 km/h wird vom menschlichen Ohr wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahrgenommen.
Es ist eine Maßnahme, die sofort wirkt, keine neuen Infrastrukturinvestitionen erfordert und nebenbei noch Menschenleben rettet. Wir müssen uns als Gesellschaft also eigentlich nur die Frage stellen, ob uns ein reiner Zeitgewinn von wenigen Minuten diese enormen ökologischen und ökonomischen Kosten wert ist. Oder einfach auf ein Elektroauto wechseln - aber sind damit alle Probleme gelöst?
Wie verhält sich das bei der Elektromobilität?
Es wären nicht wir, würden wir an dieser Stelle nicht an den sofortigen Wechsel auf Elektromobilität hinweisen wollen. Man könnte leicht dem Gedanken verfallen, dass mit dem Umstieg auf den leisen Elektromotor das Thema Geschwindigkeit und Verbrauch plötzlich keine Rolle mehr spielt. Der Strom kommt ja im Idealfall aus erneuerbaren Quellen, die Rekuperation holt die Bremsenergie zurück, also können wir getrost das Pedal durchdrücken. Meinen sicherlich manche. Und auf den ersten Blick wirkt das auch logisch.
Die Wahrheit ist jedoch eine völlig andere. Das Thema Tempolimit wird bei der Elektromobilität nicht obsolet. Es wird paradoxerweise sogar noch viel relevanter.
Warum ist das so? Das Zauberwort heißt Wirkungsgrad. Ein Verbrennungsmotor ist im Grunde eine mobile Heizung, die nebenbei etwas Bewegung erzeugt. Er verschwendet rund 80% der im Kraftstoff enthaltenen Energie in Form von nutzloser Abwärme. Der Elektromotor hingegen setzt die Energie zu über 80% direkt in Vortrieb um. Er ist gnadenlos effizient.
Und genau diese geniale Effizienz führt dazu, dass die Physik beim E-Auto ungeschminkt zuschlägt. Der Luftwiderstand wächst bekanntlich im Quadrat zur Geschwindigkeit. Beim Verbrenner geht der aerodynamische Mehrverbrauch bei hohen Geschwindigkeiten oft in der ohnehin dramatisch schlechten Grundeffizienz unter. Beim E-Auto hingegen saugt der Windwiderstand bei 130 km/h völlig schonungslos und direkt an der Batterie.
Sehen wir uns die konkreten Effekte für das LOVELECTRIC-Szenario (110/90/30) bei Elektroautos an:
Die Autobahn (von 130 km/h auf 110 km/h): Hier liegt der absolute Hebel. Reduzieren wir das Tempo, sinkt der Verbrauch bei einem durchschnittlichen Elektroauto nicht nur um 16% (wie beim Verbrenner). Der Spareffekt liegt hier in der Praxis oft bei massiven 20% bis 25%. Das ist ein Viertel mehr Reichweite, einfach nur durch den leichten Lupfer des rechten Fußes. Wer auf der Autobahn mit dem E-Auto 110 km/h statt 130 km/h fährt, muss auf langen Urlaubsreisen seltener laden und ist am Ende oft sogar früher oder zumindest deutlich entspannter am Ziel.
Die Freilandstraße (von 100 km/h auf 90 km/h): Auf der Landstraße verhält es sich ähnlich. Die Reduktion um 10 km/h drosselt den Energiehunger des Elektromotors spürbar, da die aerodynamische Wand, die das Auto vor sich herschiebt, deutlich kleiner wird. Auch hier gewinnen wir wertvolle Kilometer für den Alltag.
Das Ortsgebiet (von 50 km/h auf 30 km/h): Hier zeigt das E-Auto seine absolute Königsdisziplin. Ein Elektromotor kennt keine ineffizienten niedrigen Gänge, in denen er stottert oder unnötig hoch dreht. Er gleitet bei 30 km/h lautlos und extrem sparsam dahin. Zudem gewinnt er durch die Rekuperation beim Abbremsen vor der nächsten Kreuzung fast die gesamte Bewegungsenergie wieder zurück in den Akku. Der absolute Spareffekt in Kilowattstunden ist beim Schritt von 50 km/h auf 30 km/h zwar geringer als auf der Autobahn, aber die Effizienz ist atemberaubend. Und der Gewinn an Lebensqualität (Lärmreduktion) und Verkehrssicherheit für die Menschen am Straßenrand ist ohnehin unbezahlbar.
Was bleibt: Wenn wir das Tempo reduzieren, schrumpft der gesamte zukünftige Strombedarf einer elektrifizierten Nation gewaltig. Ein geringerer Verbrauch auf der Straße bedeutet, dass wir weniger Windräder bauen müssen, wir brauchen weniger Photovoltaik-Flächen und wir können die vorhandene saubere Energie viel intelligenter nutzen. Wir könnten den gesparten Strom beispielsweise nutzen, um über bidirektionales Laden (Vehicle-to-Home) unsere Häuser in der Nacht zu versorgen.
Zugegeben, die Elektromobilität macht die Physik nicht obsolet. Sie macht sie nur endlich ehrlich. Ein moderates Tempo und ein guter Elektromotor sind keine Gegensätze, sondern das perfekte Mensch-Maschine-Team für eine wirklich nachhaltige Zukunft.
Weiterführende Links und Quellen:
https://www.oeamtc.at/autotouring/reportage/tempo-130-und-tempo-100-spritspartest-52960714
https://vcoe.at/service/fragen-und-antworten/welche-wirkung-hat-tempo-100-statt-130

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Augustin ALLERSTORFER (Montag, 16 März 2026 08:09)
Als ehemaliger Reisebus Unternehmer u Chauffeur würde die Reduzierte Geschwindigkeit sehr viel bringen! Auch die Verschleiß Teile im Fahrzeug würden weniger Kosten verursachen! Das einzige Problem sind die Nutzfahrzeuge, diese würden die Pkws überholen, was wiederum zu Unfällen führt! Beweis für die Angaben ist mein Plug in Hybrid! Nachweislich auf über 100 Tsd Km 3,7 Lt /100km!
Selmer. Carl (Donnerstag, 02 April 2026 13:18)
Hallo. das mit der Geschwindigkeit geht ja bei allen Autos. d h das bringt allen was zumindest
geld einsparen das muss man übers jahr hochrechnen aber es geht weiter über ein PV anlage am dach für die e autos…
nebenbei bei Neubauten Sanierung kann mit warmwasser / in wasch/ geschirr spüler fahren spart pro durchgang 800 watt. früher war Nachtboiler aktiv heute muss mann alles von 10-15 oo erledigen um die sonne zu nutzen…
wachen in der wasch geschirr maschine geht auch mit 30 o 1 x im monat mit 60 o/o KS statt 7-9 o
heizung ca 19-20 rest erledigt die sonne
wir müssen lernen mit dem wetter zu leben
lüften bei Regen …d h wegen der luftfeuchtigkeit