Die Not ist groß: Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges und der Sperrung der Straße von Hormus steigen die Energiepreise unaufhörlich. Mit den Preisen wächst die Verzweiflung, und die Rufe nach staatlichen Maßnahmen mehren sich. Während die Arbeiterkammer, der ÖGB und die Mobilitätsclubs scharfe Kritik an den Mineralölkonzernen üben, schlägt Vizekanzler Andreas Babler eine Margendeckelung für Ölmultis vor. ÖVP-Kanzler Stocker erwägt hingegen Steuersenkungen auf Treibstoffe, während der ARBÖ fordert, die CO2-Bepreisung sofort auszusetzen und die Mehrwertsteuer auf Sprit auf 10 % zu halbieren.
Die Fakten zur Preisgestaltung
Zur Einordnung: Pro Liter Diesel beträgt die Mineralölsteuer aktuell 39,7 Cent, bei Benzin sind es 48,2 Cent. Seit Oktober 2022 kommt die CO2-Bepreisung hinzu, die derzeit mit weiteren 12,5 Cent zu Buche schlägt. Darüber hinaus fällt die Umsatzsteuer von 20 % auf den Nettopreis an. Natürlich ließen sich diese Abgaben senken – doch den Preis dafür zahlen am Ende wieder die Steuerzahler. In diesem Szenario würden sie sogar den „Tanktourismus“ aus dem Ausland subventionieren. Zudem gilt: Wer viel Sprit verbraucht, profitiert am stärksten von solchen Senkungen, was verteilungs- und klimapolitisch mehr als fragwürdig ist.
Der Status Quo in Österreich
Der Löwenanteil des Erdöls wird für die Mobilität aufgewendet: Rund 85 % fließen in den Verkehr inklusive des Flugwesens; der Rest wird als Heizöl oder in der Industrie genutzt. Im Vorjahr verbrauchte Österreich rund 8,6 Milliarden Liter Diesel und Benzin. Das sind zwar 18 % weniger als noch 2019 – doch ist das bereits der Abschied vom Öl? Nein, davon ist das Land noch weit entfernt.
Die Krise als Chance
Werfen wir jedoch einen Blick auf die Chancen, die hohe Preise für fossile Energien zwangsläufig bieten: Diesel-, Benzin-, Öl- und Gasheizungen verlieren massiv an Attraktivität. Im Gegenzug werden Wärmepumpen, Elektroautos, der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und der Ausbau erneuerbarer Energien wie PV-Anlagen wirtschaftlich interessanter. In Zeiten schwankender Preise beschwört die Politik regelmäßig die Energiewende, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern und die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten.
Der Weg nach vorne
Erinnern wir uns an die selbst gesteckten Ziele: Österreich will bis 2040 klimaneutral sein und den gesamten Energiebedarf (Strom, Wärme, Mobilität) aus heimischen, erneuerbaren Quellen decken. Klingt vielversprechend – doch befinden wir uns auf dem richtigen Pfad? Bisher lautet die Antwort: Nein. Die Erreichung dieser Ziele erfordert eine massive Transformation der Infrastruktur, hohe Investitionen in Speichertechnologien, eine Beschleunigung des Netzausbaus und eine rasante Umstellung auf E-Mobilität.
Was ist also die Lehre aus der aktuellen geopolitischen Krise? Wir müssen den Transformationspfad weg von Öl und Gas konsequent beschleunigen. Nur so stellen wir uns unabhängig, robust und damit resilient für die Zukunft auf.


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Franz Kok (Freitag, 13 März 2026 06:13)
In meiner Erinnerung an die Ölpteiskrise der 70er Jahre mit ihren Fahrverboten sind das Gefühl der Überrasschung über diese geopolitische Krise und des Ausgeliefert seins eng miteinander verbunden. Dass wir seither trotz zugenommenem Wissen über regional verfügbare Potentiale von erneuerbare Energiepotentialen, deren sinkende Kosten und der Verfügbarkeit elektrisch betriebener Autos seit 10 Jahren von Öl/Gaspreiskrisen "überrascht" werden können, weist auf Dummheit und politische Verantwortungslosigkeit hin.