Vor genau 2 Jahren haben wir in einem Lovelectric-Blogpost folgende Fragen gestellt: Wird die Mobilitätswende nur von Männern für Männer vorangetrieben? Oder sind Frauen die besseren Impulsgeber für Mobilität? Damals gab es wenige Antworten - Grund genug, das Thema 2026 noch einmal aufzugreifen und zu überprüfen, ob und was sich verändert hat. Ein Beitrag zum Weltfrauentag 2026.
Elektroautos gelten als die Zukunft der Mobilität. Doch während die Technologie bei Männern bereits auf große Begeisterung stößt, sind Frauen noch deutlich zurückhaltender. Aktuelle Studien zeigen: Die Unterschiede in der Kaufbereitschaft sind signifikant – und sie haben wenig mit Technikfeindlichkeit zu tun. Die Technik ist bereit, die Autos sind sicher – und trotzdem kaufen statistisch gesehen immer noch deutlich mehr Männer als Frauen ein Elektroauto. Belastbare Studien zeigen: Es liegt nicht an mangelndem Umweltbewusstsein. Im Gegenteil: Frauen sind oft ökologischer eingestellt. Es liegt an der Lebensrealität und dem Sicherheitsempfinden. Frauen haben ein „feines Gespür“ für die nicht auf den ersten Blick zu entdeckenden Eigenschaften einer Technologie, das wird durch psychologische und neurowissenschaftliche Studien gestützt, die auf eine höhere soziale Sensibilität und Empathie hinweisen.
Die Fakten: Wer kauft, wer zögert?
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung Horváth aus dem Jahr 2024 können sich in Deutschland 61 Prozent der Männer vorstellen, als nächstes ein E-Auto zu kaufen – aber nur 53 Prozent der Frauen. Noch deutlicher wird die Diskrepanz bei der praktischen Erfahrung: Nur 21 Prozent der Frauen sind bisher überhaupt ein E-Auto gefahren, während es bei den Männern bereits 33 Prozent sind (HUK-E-Barometer, 2025).
Frauen informieren sich anders – und entscheiden gemeinsam
Doch woran liegt das? Die Studien zeichnen das Bild einer informierten, aber vorsichtigen Käuferin:
– Gemeinsame Entscheidung: Während Männer den Autokauf oft allein regeln, treffen 68 Prozent der Frauen die Entscheidung gemeinsam mit dem Partner (Acxiom-E-Mobility-Studie, 2023).
– Vertrauen statt Technik-Daten: Frauen vertrauen bei der Kaufentscheidung stärker auf Empfehlungen von Freunden und Familie (53 Prozent) und auf Online-Bewertungen als Männer (39 Prozent).
– Informationslücke: Ein Drittel der Frauen (33 Prozent) gibt an, sich noch gar nicht über E-Autos informiert zu haben. Bei den Männern ist es nur halb so viel (17 Prozent).
Dies führt zu einer höheren Unentschlossenheit: In einer Umfrage von moweb research waren 26,6 Prozent der Frauen unschlüssig, ob sie ein E-Auto kaufen würden – bei den Männern waren es nur 18,8 Prozent.
Der überraschende Freiheitsfaktor
Ein interessanter Widerspruch tut sich in der Finn-Studie "So fährt Deutschland 2025" auf. Hier zeigt sich: Frauen (43 Prozent) verbinden das Auto stärker mit Freiheit als Männer (38 Prozent). Genau hier könnte der Haken liegen. Elektroautos werden noch immer mit Reichweitenangst und komplizierter Ladesuche assoziiert – ein Gefühl, das dem spontanen Freiheitsdrang widerspricht.
Die spezifischen Bedürfnisse der weiblichen Zielgruppe
Um Frauen als Kundinnen zu gewinnen, müssen wir verstehen, wie sie Mobilität nutzen. Hier zeigen sich drei Kernaspekte:
– Komplexere Wegketten („Trip Chaining“): Frauen erledigen statistisch gesehen immer noch den Großteil der Care-Arbeit. Ein Weg ist selten nur „Arbeit–Haus“. Es ist „Arbeit–Einkauf–Kindergarten–Haus“. Das E-Auto muss in diesem dichten Takt absolut verlässlich sein. Die Angst vor einer defekten Ladesäule wiegt schwerer, wenn man Kinder im Auto hat oder unter Zeitdruck steht.
– Pragmatismus vor Spielerei: Während Männer oft von „PS“, „Beschleunigung“ oder dem neuesten „Gadget“ fasziniert sind, fragen Frauen oft nach dem Nutzwert: Wie einfach lässt sich das schwere Ladekabel handhaben? Ist der Kofferraum trotz Batterie groß genug für den Wocheneinkauf? Ist die App intuitiv?
– Das subjektive Sicherheitsempfinden: Dies ist der kritischste Punkt. Viele Ladesäulen befinden sich an den dunklen Rändern von Raststationen, in abgelegenen Ecken von Parkhäusern oder in unbeleuchteten Gewerbegebieten. Was für einen Mann oft nur „unpraktisch“ ist, wird für eine Frau zur No-Go-Area – besonders in den Wintermonaten oder bei Nacht.
Fazit: Nicht desinteressiert, sondern anders informiert
Die Studien widerlegen das Vorurteil, Frauen interessierten sich einfach nicht für E-Mobilität. Vielmehr zeigen sie eine sachliche Kaufzurückhaltung:
Frauen haben weniger praktische Erfahrung mit E-Autos.
Sie lassen sich stärker von ihrem sozialen Umfeld leiten.
Sie legen Wert auf Sicherheit, Komfort und echte Alltagstauglichkeit.
Sie sind beim Thema Ladeinfrastruktur und Modellvielfalt möglicherweise kritischer.
Für Hersteller, Ladestellenbetreiber und Politik bedeutet das: Die Kommunikation muss weibliche Zielgruppen besser abholen. Mehr Probefahrten-Angebote für Frauen, mehr transparente Erfahrungsberichte und eine verständliche Erklärung der Ladeinfrastruktur könnten die entscheidenden Schlüssel sein, um die große Gruppe der "Unentschlossenen" zu überzeugen. Und: Die E-Mobilität hat in diesem Berich ein Imageproblem: Sie wirkt oft noch wie ein „Spielzeug für technikaffine Männer“. Wenn wir das ändern wollen, müssen beispielsweise Ladesäulenbetreiber die Perspektive wechseln. Ein sicherer, gut beleuchteter und einfach zu bedienender Ladepunkt ist kein „Frauenthema“ – er ist ein Qualitätsmerkmal für alle Nutzer.





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