Dänemark ist weltweit führend bei der Elektrifizierung des Schiffsverkehrs und nutzt seine Inselstruktur als ideales Testfeld für die Dekarbonisierung der Schifffahrt. Im Jahr 2026 befinden sich mehrere bahnbrechende Projekte in der Umsetzung oder bereits im Regelbetrieb.
Hier sind die wichtigsten Entwicklungen:
1. Die Pionierin: E-Fähre „Ellen“ (Insel Ærø)
Die „Ellen“ war bei ihrem Start 2019 eine Weltsensation und hält bis heute Rekorde.
Technik: Sie ist zu 100 % batterieelektrisch (kein Diesel-Backup) und verfügt über eine Batteriekapazität von 4,3 MWh.
Leistung: Sie hält den Weltrekord für die längste Strecke mit einer Batterieladung (über 90 km am Stück).
Wirtschaftlichkeit: Laut EU-Berichten spart sie jährlich über 2.000 Tonnen CO2 ein und ist im Betrieb bereits nach wenigen Jahren günstiger als herkömmliche Dieselfähren.
2. Großprojekt: Die Kattegat-Route (Molslinjen)
Dies ist eines der weltweit größten Elektrifizierungsprojekte auf See. Die Reederei Molslinjen ersetzt ihre CO2-intensiven Schnellkatamarane durch riesige E-Fähren.
Die Giganten: Drei neue vollelektrische Schnellfähren werden bei der australischen Werft Incat Tasmania gebaut. Die erste wird 2027 erwartet.
Dimensionen: Jede Fähre ist 130 Meter lang, bietet Platz für 1.500 Passagiere und 500 Autos und erreicht Geschwindigkeiten von über 40 Knoten.
Ladeleistung: In den Häfen Aarhus und Odden wird eine Ladeleistung von 58 MW installiert – das entspricht etwa dem Strombedarf einer Kleinstadt, nur um die Schiffe in 30 Minuten vollzuladen.
3. Samsø und die „Samsølinjen“
Auf unserer Route nach Samsø konnten wir den Wandel direkt erleben:
Samsølinjen: Die Route zwischen Ballen (Samsø) und Kalundborg (Seeland) wird durch eine neue Generation von Elektrofähren bedient. Diese sind fast baugleich mit den Fähren der Alslinjen.
Besonderheit: Da Samsø rechnerisch mehr Windstrom produziert als es verbraucht, laden die Fähren dort faktisch mit lokalem „Überschuss-Strom“.
4. Scandlines: Kurze Wege, schnelles Laden
Auf der Route Puttgarden–Rødby (Vogelfluglinie) setzt Scandlines massiv auf Plug-in-Hybride und vollelektrische Frachtschiffe.
12-Minuten-Ladung: Durch enorme Investitionen in die Ladeinfrastruktur können die Schiffe in nur 12 Minuten genug Energie für eine Überfahrt über den Fehmarnbelt speichern.
Ziel: Bis 2030 will Scandlines die Route komplett emissionsfrei betreiben.
5. Warum Dänemark hier so stark ist
Kurze Distanzen: Die vielen dänischen Inseln liegen oft nur 10 bis 40 km auseinander – die ideale Distanz für aktuelle Batterietechnologien.
Staatliche Förderung: Dänemark hat mit dem Investitionsstauffonds (Investitionsstøttefonden) Milliarden für CO2-intensive Unternehmen bereitgestellt, was den Umbau der Flotten massiv beschleunigt hat.
Windkraft-Synergie: Schiffe sind perfekte „Abnehmer“ für Windstrom-Spitzen, da sie durch ihre riesigen Akkus als Puffer im Stromnetz fungieren können.
Unser bestes Erlebnis: Wenn man in Ballen auf Samsø von Bord geht, fehlt auf einmal auf die gewohnte Fähren-Geräuschkulisse. Das Fehlen des tiefen Wummerns der Dieselmotoren macht die Ankunft im Hafen zu einem fast meditativen Erlebnis.
6. Was das mit dem E-Auto zu tun hat
Es gibt es einige brandneue Entwicklungen im Jahr 2026. Besonders spannend: Die Häfen werden für E-Auto-Fahrer jetzt richtig günstig.
Hier sind die Details zu den Ladevorgängen in den Häfen unserer Route:
A. Hafen Aarhus (Das „Lade-Paradies“ im Warteland)
Aarhus hat pünktlich zum 26. Januar 2026 eine neue Infrastruktur eröffnet, die speziell auf E-Auto-Reisende zugeschnitten ist:
Supercharger direkt in den Wartespuren: Molslinjen hat im Hafen von Aarhus 8 neue Supercharger mit insgesamt 16 Ladepunkten installiert.
Der Clou: Wenn man am Hafen ankommt, erkennt das System das Nummernschild als E-Auto. Man kann dann in der Wartespur stehen bleiben und das Auto mit bis zu 300 kW laden, während man auf die Einschiffung wartet.
Kampfpreis: Zur Einführung im Januar 2026 hat Molslinjen den Preis auf unschlagbare 1 DKK pro kWh (0,13 €) gesenkt, um das Laden am Hafen attraktiver zu machen als an der Autobahn.
B. Kalundborg & Ballen (Deine Samsø-Verbindung)
Auf der Route nach Samsø ist die Elektrifizierung 2026 vollendet:
Die neue Fähre „Nerthus“: Seit Mitte 2025 ist die „Nerthus“ (eine reine Elektrofähre) im vollen Einsatz zwischen Kalundborg und Ballen.
Automatisches Laden: Du wirst im Hafen sehen, dass das Schiff nicht mehr manuell verkabelt wird. Es gibt automatisierte Arme, die die Fähre mit 8,4 MW laden, während du an- oder von Bord fährst.
Laden: In Ballen (Samsø) stehen die Ladesäulen direkt nördlich des Terminals. Es ist einer der Häfen mit der höchsten Dichte an öffentlich zugänglichen Ladepunkten in Dänemark.
C. Laden an Bord (BlueClass Vorteil)
Wenn man auf der Strecke Aarhus–Odden die BlueClass bucht:
Gratis-Strom: Auf diesen Schnellfähren bietet Molslinjen oft zwei kostenlose Ladepunkte an Bord an (First-come, first-served). Man kann sein Auto während der 90-minütigen Überfahrt mit 11 kW (Typ 2) laden, sodass man mit vollem Akku auf der anderen Seite des Kattegats ankommt.
D. Ein Blick in die gigantische Technik (Hinter den Kulissen)
In Aarhus wird derzeit die Infrastruktur für die noch größeren E-Katamarane (ab 2027/28) vorbereitet. Die Dimensionen sind unvorstellbar:
Die Schiffe werden mit 55.000 kW (55 MW) geladen. In nur 30 Minuten pumpen diese Anlagen so viel Strom in ein Schiff, wie man für 150.000 Kilometer Fahrt mit einem normalen E-Auto bräuchte.
Zusammengefasst: Man muss sich um das Laden an den Häfen keine Sorgen machen. Im Gegenteil: Durch die neuen Supercharger-Tarife direkt am Hafen von Aarhus spart man im Vergleich zur Autobahn sogar bares Geld.




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