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In 7 Tagen durch 7 Länder – Ein elektrischer Adventausflug

von Eva Kok-Ertl und Franz Kok

 

Dalmatinischer Advent am Weg zu einem Projektmeeting und das mit unserem BMW iX1? Wenn ein EU Projekt für Anfang Dezember zu einem Kickoff in den Kosovo ruft und wir als Freunde von www.stay-grounded.org die Klimabilanz der Universität als Arbeitgeber schonen wollen, ist das eAuto unsere erste Wahl – auch weil es für die Fahrt am Moped doch schon etwas frisch ist um diese Jahreszeit. Ein privates Wochenende dazugenommen und schon sind die 2800km in 7 Tagen durch Slovenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien und Kosovo mit NordMacedonien und Serbien am Rückweg ein schöner Herbstausflug in den entlang der Küste noch milden Balkan. Der Rückweg über den Autoput bei um +-0 Grad entpuppt sich als Reichweitentest, der an den zahlreichen und durchwegs flotten Ladestationen entschieden wurde. Kurzum: Mit 430 km WLTP Reichweite lässt sich die Route auch bei niedrigen Temperaturen gut machen und führt der Weg auch abseits der Autobahn zu CCS mit meistens mehr als 100KW Leistung und Begegnungen, an denen wir bisher meistens vorbeigefahren sind.

Da wäre Karlovac am Autobahnkreuz Zagreb-Rijeka-Split zu erwähnen, ein schönes K.u.K. Städtchen, das wir dem habsburgischen Karl verdanken und nicht nur für sein Bier bekannt ist. Vor Abreise liefert uns das Kaufland nicht nur über die CCS Station am Parkdeck flott Strom, sondern der umliegende Markt auch Einblicke ins Landleben und hier gemessen an den angebotenen Gerätschaften noch populäre Hausschlachtung vor Weihnachten.

 

Die mit Schnee bedeckten Küstengebirge entlang geht die A1 dann in Richtung Süden und die „bärig“ gemütliche Autobahnstation in Mogoric lässt uns neben einem (in Google nicht vorhandenen) CCS auch erahnen, was uns bevorsteht: Einige Tage Dalamatien, ohne zu viel Deutsch zu hören, dafür in einem Kroatien der Kroat*innen. Von da ist mit einer Zwischenladestation Dubrovnik das Tagesziel ,wo wir im City Hotel zwar die hier üblichen hohen Parkgebühren für zwei Nächte zu löhnen hatten, aber das Porsche Destinationcharging wegen nicht funktionierender Ladeablesung eine erfreuliche Ladung ermöglicht, welche uns dann bis nach Albanien bringen wird. Adventbeginn hier ist nix beschaulich und a ruhige Zeit – Doris Dragovic rockt die Altstadt und wir schwingen mit! Nicht zu übersehen: Der Hochgang der Dalmatinischen Kulinarik jenseits von Chevap und Bier muss erwähnt werden – bei unserer Meinung nach durchaus noch moderaten Preisen mit exzellentem Fisch und Wein.

 

Nach schnellem Blick auf Kotor und Sveti Stefan mit einigen eher rauhen Landstraßenkilometern entlang der Küste durch Montenegro liefert uns eine CCS Station in Leshe unter Palmen nicht nur 120KW Gleichstrom, sondern auch etwas Floridafeeling mit angeschlossenem Hotel-Restaurant. Was in Kroatien schon begonnen hat, wird ab hier ein permanenter reminiszenter Angriff auf die Geruchsnerven: Rauchen tut man hier immer und überall, sehr gutem Espresso und hausgemachten Törtchen zum Trotz.

 

Die perfekte Bergautobahn von hier in den Kosovo ist easy going, ab der Grenze begrüßt uns aber der süßliche Geruch von Kohle im Hausbrand und im kalorischen Kraftwerk nördlich von Prishtina. Nach 11g CO2Equivalent pro KWh in Albanien wird die nächste Ladestation in der Tiefgarage gleich neben der Uni in Prishtina (acuh Pristina ist richtig) mit über 500g CO2Equivalent pro KWh nicht nur einigen Staub auf unser Auto legen, sondern den Emissionsvorteil unseres eAutos – aktuell sind wir mit 44.000km am Tacho schon hoch grün – trüben.

 

Adventlich ist gemessen am Bassdröhnen am Weihnachtsmarkt Prishtina gleichauf mit Dubrovnik. Die Sehnsucht nach Licht wird in der Üppigkeit der LEDgetauchten Fassaden hier aber eindeutig übertroffen. Und: Historisch lässt sich auch hier einiges entdecken und findet sich an jeder Ecke eine hilfreiche Stimme, welche sich in Englisch oder auch Deutsch meldet. Der Kosovo hat die jüngste Bevölkerung Europas und verdient mehr Beachtung aufgrund des starken Willens der Menschen, ihr Land in eine bessere Zukunft zu führen. Hier sind auch zwei Tage Arbeit um ein EU Projekt zur Verbesserung der Studienbedingungen für BA Studierende an Universitäten im Kosovo und in Albanien am Programm, während Eva Basar (old Bazaar) besucht und versteckte historische Ecken in der Stadt erkundet. Die Ladestation in der zentralen Tiefgarage zwischen Mutter Theresa Kathedrale und Universität liefert flott mit gut 100KW, die Inbetriebnahme erfolgt aber – wie übrigens in Leshe beim Laden unter Palmen – nicht wie vorgesehen mittels Karte, sondern durch Einschaltung eines guten Geistes, der darauf wartet, helfen zu können als „analog“, auch wenn mit Kreditkarte bezahlt werden kann.

 

Die Rückreise via Skopje (nach Einreise nicht über Serbien ist eine direkte Ausreise nach Serbien nicht möglich!) und den Autoput über Belgrad und Zagreb nach Salzburg braucht noch eine Übernachtung nahe Slavonski Brod, die Ladestationsdichte hier ist aber hoch und es hängt nur von der Vorbereitung der notwendigen Ladeapps ab, wie komfortabel und schnell man wieder am Weg ist. Temperaturen um den Gefrierpunkt und dichter Nebel sind hier nicht selten und unser Vorhaben, doch nicht unter 120km/h in Richtung Salzburg zu fahren, hat einige Stopps erfordert.

Die Bilanz in einigen Punkten zusammengefasst:

Winterliche 2.800 Reisekilometer zu ca. 2/3 auf der Autobahn waren mit 12 Ladeaufenthalten verbunden, die Verbrauchswerte der Tagesetappen lagen zwischen 16-21kWh/100km und wir sind  möglichst nicht unter 20% Batterieladung gefahren, haben manchmal aber bis 95% (zuhause tun wir´s nur bis 80%) geladen. Wir haben dafür eher routennahe Positionen mit guter Infrastruktur gewählt als die v.a. in Kroatien häufigeren CCS in der Pampas.

 

Für Ladestrom haben wir (wenn nicht gratis) zwischen 35-87€cent/KWh bezahlt was natürlich mehr ist als der PV-Stromüberschuss aus der eigenen WohnGEA, den wir sonst laden. Die Zugangssysteme waren mit der BMW Chargingcard und VISA digital möglich, bei Tesla (Superapp und Service!) und in Serbien empfiehlt sich die Vorabinstallation von Apps (Echarger, Charge&Go), was wir leider nicht gemacht hatten und daher erst vor Ort schafften. Eine eSIM ist unerlässlich für Navigation und Appbenutzung außerhalb des EU-Roamingraumes. Die Stationen waren immer verfügbar, was im Sommer womöglich anders ist.

 

Zur Umweltbilanz: 370kg CO2 Äquivalent des Flugs Wien-Prishtina-Wien pro Person lt. Indikatoren des Umweltbundesamtes stehen 250kg CO2-Äquivalente der 2800km mit dem iX1 gegenüber. Ins rechte Licht gerückt entspricht das für zwei reisende Personen 33% der Emissionen  des Flugs von Wien nach Prishtina und dem Bonus einer Dalmatienreise mit Dubrovnik in einer Zeit, wo hier keine Kreuzfahrtschiffe anlegen.

 

Schlussfolgerung: Western Balkan ist elektrisch gut erschlossen und bereisbar. Es gäbe durchaus mehr anzuschauen als die durchschnittlich 230km zwischen den Ladestationen uns im Winterbetrieb und in 7 Tagen ermöglicht haben.

 

Quellen zur Berechnungen und zum Nachvollzug:

Emissionen BEV:

https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0763.pdf

Emissionen Personenkilometer Verkehrsmittel: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/themen/mobilitaet/daten/ekz_pkm_tkm_verkehrsmittel.pdf

https://www.oekostromboerse.at/wohn-gea.html

www.Electricitymaps.com

www.Euflight.de

https://www.oekostromboerse.at/wohn-gea.html

 

 

Zu den AutorInnen:

Eva Kok-Ertl und Franz Kok leben in Salzburg und teilen mit www.winten.at ihre Entspannungszone in Geinberg im Innviertel mit Gästen. Beruflich im Bereich Coaching und Supervision in der Elementarpädagogik tätig (Eva) reisen die beiden gerne am Motorrad aber auch in ihrem BMW iX1. Das „elektrische“ kommt dabei von Franz, der neben seiner wissenschaftlichen Arbeit im Bereich Energiemarktregulierung auch Obmann von www.oekostromboerse.at ist und für die Universität Salzburg als Mobilitätsbeauftragter und Experte in der Internationalisierung von Hochschulbildung am Western Balkan und im Südkaukasus tätig ist, wo er auch eine internationales Masterprogramm leitet (www.posig.info).

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