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Wie Europa seine Autoindustrie an China verliert...

...und warum das Verbrenner-Aus entscheidend gewesen wäre

 

Ausgangspunkt: Ein politisches Signal, das alles verändert

Wir haben das Gedankenexperiment gewagt und uns angesehen, was die Verschiebung des Verbrenner-Aus im Jahr 2035 alles bewirken kann. Klingt wie Fiktion, ist aber leider real. Also – was wird geschehen: Im Jahr 2026 beschließt die EU-Kommission, das geplante Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 auszusetzen. Zunächst nur „vorübergehend“, dann „technologieoffen“, schließlich „bis auf weiteres“. Der politische Druck aus einzelnen Mitgliedsländern, die Sorge vor Arbeitsplatzverlusten und starke Lobbys der alten Industrien geben den Ausschlag.

Was als Flexibilisierung gedacht war, erweist sich als strategischer Wendepunkt mit globalen Folgen.

 

Phase 1: Europas Autoindustrie atmet auf – und verliert den Anschluss

Die europäischen Hersteller feiern die Entscheidung als „Sieg der Vernunft“. Milliardeninvestitionen werden umgeschichtet oder eingefroren:

– Plattformen für neue E-Modelle werden verschoben.

– Entwicklungsabteilungen für Elektroantriebe werden verkleinert.

– Hybride und neue Verbrennermodelle kommen wieder in die Roadmaps.

– Langfristige Lieferverträge für Batterien und Rohstoffe werden auf Eis gelegt.

Die Branche gewinnt Zeit – aber nutzt sie für das Falsche.

Während Europa Tempo rausnimmt, geschieht im Rest der Welt das Gegenteil.

 

Phase 2: China beschleunigt – und dominiert die Schlüsseltechnologien

China, ohnehin führend in der E-Mobilität, erkennt die Chance sofort: Ein zögerliches Europa bedeutet weniger Konkurrenz in den 2030er-Jahren. Und verschafft ihnen noch mehr Zeit für den Marktaufbau.

Die chinesischen Hersteller – BYD, Geely, SAIC, NIO, Xpeng, Li Auto – investieren in der Zwischenzeit aggressiv:

– Batterien: China baut seine >75%-Dominanz bei der Zellproduktion weiter aus.

– Rohstoffe*: Indonesien, Chile, Kongo, Argentinien – chinesische Konzerne sichern sich exklusive Minenrechte.

– Software & KI: Autonomes Fahren und Energiemanagement werden exportfähige Technologien.

– Skalierung: Fahrzeuge werden günstiger, technisch überlegener und softwaredefiniert.

Während Europa Debatten führt, baut China ein globales Technologieimperium.

* In der nächsten Ausgabe vom LOVELECTRIC-Blog gehen wir auf dieses Thema detailliert ein

 

Phase 3: Der globale Markt kippt – zugunsten Chinas

Ab 2030 beginnt ein weltweites Marktumschwenken:

– Die USA halten weiter an E-Mobilität fest – getrieben von IRA-Subventionen.

– Indien startet eine eigene Gigafactory-Offensive.

– Afrika und Südostasien importieren günstige chinesische E-Autos, weil diese zuverlässiger und billiger sind als Verbrenner.

– Südamerika verpflichtet sich auf lokale E-Mobilitätsquoten.

China exportiert Millionen Fahrzeuge – zum Teil nach Europa.

Die europäischen Hersteller verlieren in den Wachstumsmärkten, weil sie dort kaum moderne Elektroautos anbieten können.

In China sind sie ohnehin fast bedeutungslos geworden.

 

Phase 4: Die europäische Industrie gerät ins strukturelle Hintertreffen

2028–2032 wird sichtbar, was die Verzögerung angerichtet hat:

– Europäische Hersteller müssen E-Autos mit chinesischer Zelltechnologie bauen.

– Die Margen schrumpfen, die Modelle wirken technologisch veraltet.

– Ein Großteil der Software wird eingekauft – aus China.

– Europa verschläft Batteriechemie, Plattformarchitekturen und Lade-Innovationen.

– Die besten europäischen Ingenieur:innen wechseln zu asiatischen Konzernen.

Gleichzeitig muss die EU Milliarden investieren, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit ihrer Autoindustrie zu retten.

Doch es ist zu spät.

 

Phase 5: 2035 – Das Jahr, in dem Europa erkennt, was verloren ging

2035 ist das Jahr, das ursprünglich das Ende des Verbrenners markiert hätte.

Stattdessen markiert es europaweit:

– sinkende Marktanteile europäischer Hersteller,

– steigende Importzahlen chinesischer E-Autos,

– Abhängigkeit von nicht-europäischen Batterien und Rohstoffen,

– Arbeitsplatzabbau in den alten Industrien,

– Dominanz chinesischer Software und Lithium-Eisenphosphat-Technologie.

Europa hat zwar weiterhin Autoindustrie – aber keine globale Führungsrolle mehr.

Vom einstigen Technologiemotor bleibt ein Fertigungsstandort übrig.

Die Wertschöpfung liegt längst woanders.

 

Phase 6: Der geopolitische Preis

Die Folgen reichen weit über die Industrie hinaus:

– Europa wird rohstoffpolitisch abhängig, weil es keine globalen Zugänge gesichert hat.

– Die EU verliert geopolitischen Einfluss, weil Batterien und E-Mobilitätssoftware Schlüsselindustrien sind.

– Energie- und Mobilitätsdaten werden überwiegend von ausländischen Konzernen verarbeitet.

– Die Klimaziele rücken in weite Ferne, weil Verbrenner länger im Einsatz sind.

Während Europa sich im Übergang verzettelt, setzen alle wichtigen Märkte längst voll auf Elektromobilität.

 

Fazit: Der Verzicht auf das Verbrenner-Aus war kein Aufschub – sondern ein Rückschritt

 

Das Szenario zeigt:

Nicht das Festhalten am Verbrenner schützt Europas Industrie.

Sondern nur eine mutige, strategisch geführte Transformation zur E-Mobilität sichert ihre Zukunft.

Die Verzögerung macht Europa verwundbarer: technologisch, geopolitisch, wirtschaftlich.

China gewinnt Jahre – und nutzt sie.

Europa verliert Jahrzehnte.

Wer zu spät transformiert, verliert.

Dieser Satz gilt nirgends stärker als in der globalen Autoindustrie.

 

P.S.: Damit die nächste Generation, für die gerade die Zukunft verspielt wird, nicht dieselben Fehler macht, haben wir die Geschichte in ein fiktionales Märchen gepackt – zum Vorlesen vor dem Einschlafen. Und weil wir Optimisten sind, hat das Märchen auch ein Happy End...

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Kommentare: 3
  • #1

    Klaus (Freitag, 12 Dezember 2025 14:12)

    Lieber Leo,
    Wäre es doch auch in Wirklichkeit nur ein Märchen, aber es ist leider eine Trauergeschichte.

  • #2

    Hermann Angermayr (Freitag, 12 Dezember 2025 14:52)

    Ja, dieses Trauerspiel kündigt sich leider auch in der geopolitischen Lage und Unentschlossenheit der EU an...

  • #3

    Erwin (Samstag, 13 Dezember 2025 17:43)

    Die Kunden haben sich längst für E Autos entschieden.
    Die deutsche Autoindustrie hat den Kipppunkt verpasst und es ist völlig egal ob sie noch Verbrenner anbieten. Sie werden keine Käufer finden. Sie wird einfach von Markt verschwinden.
    In 5 Jahren sind 9 von 10 PKW vollelektrisch.