LOVELECTRIC interviewt Franz Kok, Obmann der Ökostrombörse Salzburg
Franz Kok ist nicht nur frischgebackenes Mitglied von LOVELECTRIC, der Politikwissenschaftler (Universität Salzburg) ist auch Obmann der Ökostrombörse, wo er und das Team immer wieder neue und nachhaltige Konzepte entwickeln. Er ist selbst E-Mobilist und leidenschaftlicher Diskutant in Verkehrs- und Energiefragen. Wir haben Franz Kok zum Interview getroffen, wo er uns einiges über PV-Anlagen auf Mehrparteienhäusern und den Zusammenhang mit E-Mobilität erklärt.
„PV und Elektromobilität gehören zusammen – besonders im Mehrparteienhaus“ oder
„Warum gemeinschaftliche Energie die Zukunft ist“
LOVELECTRIC:
Lieber Franz Kok, die Energiewende findet längst nicht mehr nur am Land am Dach der Einfamilienhäuser statt. Warum sind Dir gerade Mehrparteienhäuser so wichtig?
Franz Kok:
Weil hier unglaublich viel Potenzial liegt. Jahrzehntelang waren Photovoltaikanlagen vor allem Einfamilienhäusern vorbehalten. Mit den Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen – kurz GEA – können seit 2017 auch Bewohner:innen von Mehrparteienhäusern ihren eigenen Dachstrom nutzen. Das macht urbane Energiewende überhaupt erst skalierbar.
LOVELECTRIC: Was genau ist eine GEA?
Franz Kok: Eine GEA verteilt den am Dach erzeugten PV-Strom direkt im Haus. Jede Partei bekommt einen Anteil – ohne Netzgebühren. Das senkt die Stromrechnung spürbar und macht unabhängiger von Preisschwankungen. Gleichzeitig steigt die Autarkie im ganzen Gebäude, weil der Strom direkt dort verbraucht wird, wo er entsteht.
LOVELECTRIC: Wann entsteht der größte Mehrwert?
Franz Kok: Wenn Photovoltaik und Elektromobilität zusammenkommen. E-Autos sind nämlich ideale Stromspeicher auf Rädern. Sie können flexibel dann laden, wenn besonders viel Sonnenenergie anfällt – und damit Überschüsse nutzen, die sonst ins Netz fließen würden. Dadurch steigt der Eigenverbrauch der Anlage, und die gesamte PV-Anlage wirtschaftet deutlich besser.
LOVELECTRIC: Also PV am Dach, Ladestelle im Haus – und günstiger Strom für alle?
Franz Kok: Genau. Die Kilowattstunde vom eigenen Dach kostet in einer WohnGEA oft nur rund 20 Cent oder weniger, während Netzstrom selten unter 33 Cent liegt. Wer sein E-Auto direkt mit Sonnenstrom lädt, spart nicht nur Geld, sondern reduziert den CO₂-Ausstoß massiv.
LOVELECTRIC: Kannst Du ein konkretes Beispiel nennen?
Franz Kok: Gerne. In der Bayerhamerstraße 59 in Salzburg haben wir eine PV-Anlage mit Batteriespeicher und Wallbox umgesetzt. Die Ladesäule lädt das Auto dann, wenn viel Sonnenstrom vorhanden ist. Im Sommerhalbjahr scheint dort – dank Speicher – die Sonne praktisch bis Mitternacht. Die Bewohner:innen genießen niedrige Stromkosten, hohe Eigenversorgung und eine moderne, zukunftssichere Infrastruktur.
LOVELECTRIC: Wie werden die Eigentümergemeinschaften unterstützt, die ein ähnliches Projekt umsetzen möchten?
Franz Kok: Mit einem kompletten Sorglospaket. Das sagen wir nicht nur so, sondern der Name ist Programm. Wir bieten zwei Varianten:
Entweder errichtet die Wohnungseigentumsgemeinschaft die Anlage selbst – wir übernehmen Analyse, Planung, Umsetzung und laufende Betreuung. Oder - das ist die zweite Variante - wir als Ökostrombörse bauen und betreiben die Anlage als externer Dienstleister. Die Bewohner:innen können sich freiwillig finanziell beteiligen oder einfach PV-Strom beziehen. Dazu kommen technische Konzepte, Abwicklung aller rechtlichen Schritte, Abstimmung mit der Hausverwaltung, Integration von Ladestationen und natürlich das laufende Monitoring und die GEA-Abrechnung.
LOVELECTRIC: Wie hoch kann der Anteil des selbst erzeugten Stroms im Gebäude sein?
Franz Kok: Je nach Dachfläche und Verbrauchsstruktur decken WohnGEAs 35 bis 60 Prozent des gesamten Strombedarfs ab – inklusive Ladestrom für E-PKW. Das ist enorm, gerade in dicht bebauten Städten.
LOVELECTRIC: Was ist Deine Botschaft an potenzielle Eigentümergemeinschaften?
Franz Kok: Warten Sie nicht auf „perfekte Bedingungen“. Die Energiewende findet jetzt statt – und Mehrparteienhäuser sind Schlüsselorte dafür. Photovoltaik, GEA und E-Ladestellen schaffen ein System, das sauber, leistbar und zukunftssicher ist. Die Technologien sind bereit, die Modelle funktionieren, und mit der richtigen Unterstützung ist der Aufwand minimal.
LOVELECTRIC: Vielen Dank für das Gespräch.
Im folgenden Download findet man näher Informationen zum Thema und zur Kontaktaufnahme mit der Ökostrombörse:

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