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Mit einer Akkuladung zum Sonnenuntergang am Meer

Ein Kurztrip mit dem Elektroauto nach Grado – Sonne, Salz und stille Lagunen

 

Wo Geschichte auf Sehnsucht trifft

Es gibt keine historischen Aufzeichnungen darüber, dass Franz Joseph I. jemals nach Grado gereist wäre – doch 1892 ließ er den Ort zum kaiserlich-königlichen Seebad ausbauen. Bald wurde Grado zum Kurort, berühmt für seine jodhaltige Luft, das salzhaltige Meerwasser und den Sand, dem man heilende Kräfte nachsagte. Viele Gründe also, Grado wieder einmal zu besuchen – besonders dann, wenn in Österreich rund um Allerheiligen (für jüngere Leser: rund um Halloween) das Wetter rau, neblig und nass daherkommt. Da lässt sich der Spätsommer noch um ein paar Tage verlängern. Und man kann der Sonne zusehen, wie sie stilvoll am Meereshorizont versinkt. Das wärmt Herz und Seele – und gibt Kraft für den bevorstehenden Winter.

 

Eine Akkuladung bis ans Meer

Gesagt, getan: Wir laden den Akku mit Sonnenstrom unserer PV-Anlage auf 100 % und machen uns auf den Weg. Gerade einmal 360 Kilometer (Seekirchen-Grado) trennen uns Salzburger:innen von der Adria – ein leichtes Unterfangen für ein Mittelklasse-Elektroauto, selbst bei herbstlichen 8 Grad am Start und 5 Grad am Tauerntunnel. Unser Begleiter: ein drei Jahre alter Tesla Y – kein Ladestopp nötig, Ankunft mit 15 % Restakku. Heute schaffen das viele E-Autos dieser Klasse, doch auch kleinere Modelle wie der VW e-up!, Renault R5 Urban Range oder Fiat Grande Panda meistern die Strecke mit ein bis zwei kurzen Zwischenstopps. Und weil alles bekanntlich planbar ist, haben wir ein Hotel mit eigener 11 kW-Ladestation gewählt. Preis pro kWh: 0,59 Euro – kein Schnäppchen, aber sorgenfrei.

 

Ein Hotel wie ein Rückzugsort

Zwei Nächte stehen auf dem Plan – Zeit zum Entspannen, Genießen und Radfahren. E-Bikes braucht es hier keine, die höchsten Erhebungen liegen bei fünf Metern. Unser Hotel liegt eingebettet in eine atemberaubende Lagunenlandschaft – ruhig, beschaulich, architektonisch fein gestaltet. Sechs Zimmer, alle mit Balkon und Blick über die Lagune. Große Fenster lassen das Wasser zum Teil des Zimmers werden, jede Suite hat ihre eigene Terrasse. Die kostenfreien Fahrräder machen das Angebot perfekt – wir schwingen uns sofort aufs Rad und fahren die acht Kilometer ins Zentrum von Grado. Es ist erst 14 Uhr, der halbe Tag gehört uns.

 

Altstadt, Aperol & Abendsonne

Wir schlendern durch die malerische Altstadt, lassen die Basilica di Sant’Eufemia diesmal links liegen, flanieren am Lungomare Nazario Sauro und genießen Sonne und Meeresbrise. Ein Aperol Spritz, ein Eis von der Bar Gelateria „Bomben“, ein Blick auf die Fischerboote am Porto Mandracchio – mehr braucht es nicht für ein vollkommenes Glücksgefühl. Der Rückweg entlang des Meeres wird zur Krönung: ein Sonnenuntergang, der die Lagune in flüssiges Gold taucht.

 

Zwischen Flamingos und Wildgänsen

Am nächsten Morgen hängt eine dünne Wolkendecke über dem Meer. Wir radeln (vorbildhafte Radwege überall!) ins nahegelegene Riserva Naturale Valle Cavanata, ein Schutzgebiet bei Fossalon di Grado. Von den 341 Hektar Fläche sind 67 vom Meer bedeckt. Seit 1996 gilt das Gebiet als eines der bedeutendsten Naturschutzareale Friaul-Julisch Venetiens. Wir überqueren eine Straße, rollen über eine kleine Holzbrücke, biegen ab in die Stille. Schwäne, Wildgänse, und dann – das zarte Rosa der Flamingos. Es ist, als würde die Landschaft atmen. Im Hotel Caneo bei Fossalon trinken wir einen Cappuccino und folgen dann der Wasserlinie zurück zu unserem Hotel, das passenderweise „Oche Selvatiche“ heißt – „Wildgänse“.

 

Kulinarische Glücksmomente

Die Sonne kehrt zurück, und mit ihr der Appetit. In der kleinen Osteria „Bistrot Ratatouille“ genießen wir hausgemachte Tagliatelle mit weißen Trüffeln und einen Prosecco sfuso, den offen ausgeschenkten Hauswein. Essen ist für uns immer Teil des Reisens – eine Suche nach Orten mit Seele. Wir stöbern im Slow Food Osteria Führer, lesen Kritiken, folgen Tipps aus Michael Dangls wunderbarem Buch „Grado abseits der Pfade“.

Für den Abend sind sich beide Quellen einig: das „Ristorante Agli Artisti“: Gegrillte Jakobsmuscheln, Paccheri mit Entenragout, Branzino in Salzkruste, ein Glas Friulano – perfekt.

 

Heimweg mit Weinvorrat

Die Nacht bringt Sturm und Gewitter, der Morgen Regen. Der Abschied fällt also nicht so schwer.

Über den Collio fahren wir zurück – und halten beim Bio-Weingut Visintini, um Wein für die bevorstehenden Wintermonate einzukaufen.

Mit diesem flüssigen Trost kehren wir heim – erfüllt von dem Gefühl, viel länger unterwegs gewesen zu sein, als es die zwei Tage vermuten lassen. Ein lohnenswerter Ausflug – und nur eine Akkuladung entfernt.

Grado zeigt, dass nachhaltige Mobilität und Lebensfreude wunderbar zusammengehen. Eine Akkuladung reicht – für Sonne, Meer, Lagunen und das gute Gefühl, klimafreundlich unterwegs zu sein.

 

Wie immer unsere Empfehlungs-Links:

HOTEL:

 

Oche Salvatiche - Wild Geese Boutique Hotel

Via Luseo 1, 34073 Grado GO

www.ocheselvatiche.com

[email protected]

+39 0431 878918

 

LITERATUR:

 

Michael Dangl

Grado abseits der Pfade

ISBN 978-3-99100-153-9

Blick ins Buch

 

RESTAURANTS:

 

Ristorante Agli Artisti

Campiello Porta Grande 2

34073 Grado GO

www.ristoranteagliartisti.it

[email protected]

+39 0431 83081 - 331 5435140

 

Bistrot Ratatouille

Viale Italia 4

34073 Grado GO

[email protected]

+39 348 986 2303


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Kommentare: 1
  • #1

    mc hill`s (Freitag, 07 November 2025 16:56)

    Liebes Lovelectric team, erstmals herzlichen dank fuer diesen beitrag und die wunderschoenen fotos. Wir waren kurz vor eurem trip ebenfalls in italien. unsere reise begann zyu beginn der herbstferien am freitag abend. unsere erste destination war die pension sonnenhang in schoenfeld lungau auf 1800 m seehhoehe. wir fuhren um ca 19 Uhr bei 12 grad in seekirchen los und kamen um 21 uhr bei minus 2 grad an. nachden wir dank euch unsere angst vor weiten strecken und tiefen temperaturen ablegen konnten sind wir mit unserem audi kwe 6 unterwegs gewesen. bis zur ankunft hatte die batterie ganz schoen zu tun und wir haben die ersten 180 km mit einem batteriestand von ca. 20 prozent erreicht. bei strahlendem sonnenschein konnten wir die Ladung dank einer photovoltaikanlage bis sonntag frueh wieder vollladen. die reise ging dann nach palnanova problemlos weiter. nach einer uebernachtung und einer gemuetlichen shoppingrunde auf dem wochenmarkt sind wir ohne ladung nach grado weitergereist und habe dort sonne, meer und kaffee genossen. auf der heimreise gabs noch einen zwischenstopp in udine zum einkaufen mit volladung unseres autos. mit dieser ladung sind wir bei schneefall und 0 grad ueber den tauern wieder bei 12 grad problemlos in seekirchen gelandet. lieben dank nochmals fuer eure beitraege und bleibt elektrisch. es gruessen die mc hills